Two worlds. // A Campus, A Heart, A Star. Part IV

Wenn ich über die seltsame Ambiguität des Städtchens ins Schwärmen gerate, ist das nur ein Vorgeschmack auf die Verwirrungen am Campus. Wir sind ja nich zum Spass hier, nich, sagt da eine Stimme mit breitem Ruhrpottslang in meinem Ohr.

Hinundhergerissen wie der Rest dieser Schlafwandlerstadt ist auch die Swansea Univesity noch unsicher, ob sie die Wucht und das Mauerwerk der Ivy-Leaugue imitiert oder eher eine deutsche Gesamthochschule vor der Renovierung. Man denke sich zwei postapokalyptische Plattenbauten neben einer neoklassizistischen Abtei aus dem 18. Jahrhundert. Man denke sich Palmen neben einem gestriegelten englischen Garten. Direkt am Meer.

Und ich? Bin seit gestern auch offiziell eingeschriebene Postgraduate-Studentin in Media, Communication and Public Relations. Nach viel Theater rund um deutsche Prüfungsämter und britische Transcripts saß ich vor einem Admissions Officer, der sich mit einem kurzen Blick auf meine Zeugnisse zufrieden gab und mir stattdessen von seiner Abneigung bezüglich Jürgen Klinsmann berichtete. Derart agitiert ließ er mich ohne weitere Nachfragen meinen formschönen Ausweis abholen und sich versprechen, dass ich Klinsi bei nächster Gelegenheit vors Schienbein trete.

„Irgendwas mit Medien“ ab Mittwoch

Jetzt habe ich noch vier Tage frei, bis es ab Mittwoch mit Kursen wie „Visual Communication and Media Design“ losgeht. Praktisch dreht sich alles um Apps, Home Page Design und Video Documentaries – der ganze Technik-Plunder. Die Metadiskussion beginnt bei medialer Verantwortung der Berichterstattung über Gewalt – von häuslicher bis zu politscher, struktureller, medialer – und dreht sich hin zu Thinking about the Digital Edge.

Ich habe Monate hinter mir, die ich komplett über A3-Listen zerknauscht verbracht habe, mögliche Masterstudiengänge nach einem irren, ESC-nahem Punktesystem zu bewertend. Douze Points to Europäische Literaturwissenschaft im Wandel der Zeit. Dabei tanzten Fragen das Alphabet rauf und runter, quer durchs Zimmer. Nach Zukunft und Literatur, nach Geld, nach Talent, nach Lust und Laune, nach Promotion, nach Sinn und Struktur. Und während ich noch dabei war, beinahe an meinem Bachelor zu scheitern fand ich auf einmal den besten Grund es nicht zu tun: Den einen Masterstudiengang, der mich einen dicken Syllabus lesen, multimediale Redaktion aller Disziplinen trainieren und am Meer spazieren lässt.

Ob sich das alles so ausgeht – mal sehen. Wie meine 16.000 Word Master-Thesis am Ende aussehen wird und ob ich am Ende doch den Crashkurs in War Reporting mache und in den Untergrund gehe – aucune idée.  Aber während hier gerade der erste Regenguss die Fenster putzt, stellt meine französische Mitbewohnerin den Weißwein kalt. Ich lasse Manovichs The language of new media liegen, krame kurz meine Postgrad-Card hervor und denke eine Sekunde an den Moment im April zurück, als ich dachte: Genau dat und Einmal mit Alles, nich. 

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