You said I must eat so many lemons. // Chocolate in Swansea.

Schwierige Entscheidungen scheinen sich im Dreieck am wohlsten zu fühlen. Bestimmt weil 3 so eine grandios mystische Zahl ist. Oder weil es Tafelbilder im Ethik-Unterricht erleichtert. Man denke an das Theodizee-Problem. Oder diese Triangel direkt aus dem Lehrbuch für höhere Töchter: Willst du gute Noten, ein abenteuerliches Sozialleben und Schönheitsschlaf mit Gurken auf den Augen? Vergiss es, Schätzchen, es gibt immer nur Zwei von Drei. Copyright liegt bei jemandem mit basalen Designkenntnissen:

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Also, jedenfalls, Gedankensprung: Essenskultur und Kulinaria aus Wales.

Ich schicke vorsichthalber einen kleinen Disclaimer voraus und erwähne die Tatsache, dass ich zickige, pingelige und quasi unerfüllbare Ansprüche an mir vorgesetzte Gerichte stelle:

 

 

Gemüse gern, aber keine RosenkohlTomatenGekochteMöhrenBohnenErbsen. Kein FleischFischEier und möglichst wenig Milch. Möglichst kein Chemiebuch auf der Inhaltsstoffliste. In weniger als zwei Minuten auf dem Tisch. Macht satt und glücklich aber nicht dick. Diese Liste existiert in Wuppertal ebenso wie in Wales oder Südamerika (..auch wenn einige Punkte im angeschickerten Zustand dezidiert verhandelbar sind.) Man lese diesen Beitrag also bitte nicht als nörgeliges deutsches mimimihier-schmeckts-nicht-wie-bei-Mama.

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Er ist eher als ein allgemein anglophon-kulturwissenschaftliches Nörgeln angelegt.

Hier gibt es ebenso teuflische Entscheidungen, auch wenn sie im Ethik-Unterricht mindestens in Pyramidenform dargestellt werden müssten. Die Lösung erfordert ein Maß ein Fähigkeiten, die man nur in analytischer Geometrie lernt (oder gelernt hätte, wenn man sich in obigem Dilemma nicht für die anderen beiden Optionen entschieden hätte).

Trotzdem versuche ich, der geschätzten Leserschaft zuliebe, das alltägliche Schlachtfeld der schlechten und schlechteren Varianten darzustellen:

 

  1. Iss, was lecker und gesund aussieht.

Lösung: Ha! Anfängerfehler. Deine Auswahl (Vollkorn-Falafel-Sandwich mit Sesamsoße) besteht ausschließlich aus Farbstoffen, die das Weißbrot braun aussehen und die Mehlschwitze nach Sesam riechen lassen und von den Falafeln fangen wir gar nicht erst an. Außerdem liegt es seit drei Tagen im Supermarktkühlschrank und kostet ‎£ 4,99.

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  1. Iss, was du dir aus dem Gemüseregal und Basics wie Reis selbst gekocht hast.

Lösung: Clever, clever. Gemüse ist zwar in Plastik eingeschweißt und oft etwas muffig, aber tendenziell keine schlechte Idee. Natürlich sind da die Schnecken-Pfannen, ein Herd, der mehrere Stunden deiner wertvollen Lernzeit frisst, um den Reis zu kochen. Der zwangsneurotische Rauchmelder. Und auf Frühstück oder Mittagessen in der Bibliothek nicht wirklich übertragbar, aber als abendliche Lösung, okay.  Preisniveau: durchschnittlich. 

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  1. Iss, was die Mensa serviert.

Lösung: Guten Appetit, heute gibt es Meatball-Sandwches mit Kartoffelchips aus der Tüte im Pappkarton. Und Stew. Und damit fangen wir gar nicht erst an. Morgen übrigens das gleiche. Montag auch. Für nur £ 8,99.

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  1. Iss, worauf du beim Einkaufen so Hunger bekommst.

Lösung: Eine kurze repräsentative Feldstudie (Tesco, Sainsbury & Costcutter) ergab, dass die drei zentralen Reihen in jedem Supermarkt ausschließlich für Cadbury-Schokoriegel und Chips reserviert sind. Das verschweißte Gemüse findest du irgendwo an der Wand in Kisten. Viel Spaß, das im strömenden Regen wieder abzujoggen. 

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  1. Iss, was bei Society-Abenden angeboten wird und was deine Mitbewohnerinnen so rumstehen lassen.

Lösung: Ziemlich clever, das garantiert ein breites Spektrum an Lebensmittelgruppen (von kalter Pizza bis chinesischem Salat) und ist umsonst. Du musst im Gegenzug sehr leise durchs Haus schleichen beziehungsweise dröge Abende mit der American Studies-Group respektive Lacrosse-Team verbringen. Außerdem bist du natürlich auch vollkommen hilflos dem ausgeliefert, was Andere im Zustand der Umnachtung aussuchen. 

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Also, stellen Sie eine Gleichung für folgende Parameter auf:  Gesundes, schnelles, günstiges  walisisches Essen. Ohne RosenkohlTomatenGekochteMöhrenBohnenErbsen und andere Bestandteile der oben etablierten Liste. Und der erste, der „Marmite“ in die Kommentaren postet bekommt böse Hass-Post.

Genug gemeckert, oder, mit but alive formuliert: 

…Der Kartoffelsalat der schmeckt. (…)  Klar kannst Du Dich mal melden, halt nur nicht bei mir. Aber ist doch egal. Geschmack wird überbewertet. Die sind doch alle ganz nett hier….

Morgens gibt’s Weetabix und Instantkaffee, der Rest der Woche ist so voll gepackt mit Kursen, Leselisten, Bibliothekssessions, Theatertreffs, Hogwartspartys und tollen Menschen, dass gar keine Zeit bleibt, ans Essen zu denken. Ernsthaft, es ist ein sozialer Gaumenschmaus! Und der Brunch in meinen geschätzten Lieblingscafé ist so herzergreifend britisch, dass er beinahe für die restliche Woche entschädigt:

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2 Kommentare

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