Weekend Remixes.// Swansea’s Finest.

Es ist Sonntag, es gibt Lakritz-Tee und ich habe mal die letzten Posts überflogen: „Essen schmeckt nicht“ – „Die Mitbewohnerinnen sind genauso cool wie der Teppich im Haus!“„Das Wetter ist im Herbst schlechter als im Sommer“… Dass nicht dauernd Anfragen kommen, ob ich bald ein B&B eröffne und man zum Family-Tarif vorbeikommen dürfe…Ich bin auch ganz verwirrt.

Also, erst mal pittoreske Bilder – nur zur Erinnerung, dass man in einem Küsten-Kalender wohnt. 

Die Vorlesungen haben angefangen und verdienen irgendwann einen eigenen Post. Die Menschen, die sich aus London, Coventry und Birmingham, aus Sardinien, Dänemark und Griechenland hier her verirrt haben auch.

Aber jetzt erst mal frisch aus der Druckerei des Stadtmarketings: Was macht man eigentlich in Swansea wenn die Sonne untergeht? 

Wer wie ich nur aus dem Fenster spucken müsste (also, metaphorisch – igitt, außerdem würde ich nur unseren Hinterhof treffen), um auf dem Campus zu landen, beginnt den Abend wahrscheinlich im JCs:

img_3164Die Collegebar, die ans liebste Studentencafé anschließt beherbergt knautschig karierte Sofas, Ledersessel, Pool-Tische und auch ansonsten einiges an Sims2:University-Flair. Beim Reinkommen kollidiert man garantiert mit einer Gruppe Freshers, die sich zu irgendeinem Event als Ninja Turtles, Piraten oder Golfspieler verkleidet haben. Finde ich vollkommen legitim, am besten feiert man die Freiheit von Schuluniformen und Eltern, die auf das Tragen derselben bestehen, in dem man sich beständig uniformiert. Egal, Getränke sind günstig, deshalb bestellt man an der Bar am besten gleich zwei doppelte Longdrinks (noch günstiger), während der Ninja Turtle neben einem Proseminare zum Thema „German Beeeers“ abhält.

Es herrscht angenehme Lautstärke zwischen Fußball-Leinwand und einer Open-Mic-Bühne, die immer mal wieder von wuscheligen Gitarrenspielern und ihren schmachten Varianten von Taylor Swift-Songs gekapert wird. Architektonischer Fehlschluss sind nur die Toiletten, die de facto unbenutzbar sind, weil die Türen nach innen aufschwingen und dann schon gegen die Inneneinrichtung der Kabine krachen. Man müsste also auf die Kloschüssel klettern, um von innen abzuschließen. „Is it just me, or are these toilets…“ beginnt jede zweite Unterhaltung unter Freundinnen in der Bar.img_0426

 

Es wird später, die Freshers lauter und der Gitarrenspieler bei Oasis angekommen, also macht man sich auf den Weg in die Innenstadt oder den Hügel hinauf in die Uplands –  je nach Wetter, Outfit, Wochentag und Kurs am nächsten Morgen.

 

Die Uplands sind das reizendere Viertel, Essen Süd/Rüttenscheid bzw. Wuppertaler Nordstadt/Luisenviertel. Jazzclubs mit wild durchmischtem Publikum, eine Bar namens We’ll miss you Liz mit grandiosen Cocktails und ansonsten viel Musik aus allen Richtungen. Uplands verspricht einen gesittet, exzessiven Abend mit einer Gruppe anderer Postgraduates, deren Wohnheim namens Ty Beck mitten im Zentrum des Geschehens liegt.

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Wer bis in die frühen Morgenstunden tanzen, mit nach Trockeneis riechenden Haaren und leisen Pfeifen in den Ohren nach Hause schlendern laufen will, den zieht es ins Stadtzentrum. Entweder man erwischt einen der vollkommen zufällig vorbeifahrenden Busse, oder man kauft im Campusstore ein Wegbier und läuft circa eine halbe Stunde den Strand entlang in die Innenstadt.

Dort warten als sichere Adressen Sin City und Jack Murpheys, beide am Eingang der furchteinflößenden Winde Street gelegen. Furchteinflößend, weil sie niedliche Englische-Literatur Erstsemester frisst, in ihren düsteren Clubs verdaut und als vodkageduschte Partykids wieder ausspuckt. Frei nach dem Motto:blog-freshers

Es läuft also auf JMs mit seinen sympathischen Motto-Abenden hinaus: Musik ist fast immer tanzbar, die Getränkepreise okay und das Publikum sympathisch heterogen – ein kleines, kleines bisschen wie der Goethebunker. Nur als irischer Pub.

Alternativ gibt es das Sin City, eine Legende der trashigen, günstigen Partynächte. Da begann letzte Woche tatsächlich eine der lustigsten Nächte, die ich mit wild blinkenden Kopfhörern je hatte: Die Silent Disco. Zwei DJs, die relativ wahllos tanzbaren Electrokrams gegen Indie/Pop/Trash-Hymnen der 2000ern anspielen. Man kann spontan zwischen den akustischen Floors wechseln oder die Kopfhörer abnehmen und zuhören wie eine wilde tanzende Gruppe angetrunkener Studenten vollkommen schief Beyoncé mitgröhlt

Mit dabei waren Mariangela, eine bildhübsche, vollkommen verplante Italienerin, die mit mir zusammen C-MP-PR studiert (Communication, Media Practice und Public Relation ist nicht Small Talk-tauglich und je nach Intonation klingt die Abkürzung ziemlich cool nach Starwars) und Natasha unterwegs. Eine Archäologin aus London, die jetzt einen Master in Lateinisch/Griechischer Mythologie obendrauf studiert und ausschließlich Gin Tonics trinkt. Beide würde ich bedingungslos für lange, abenteuerliche walisische Nächte empfehlen.

Swansea ist eine herzige Kleinstadt mit einer graswurzelig gewachsenen Studenten-Club-Szene, die angeblich gegen die Cardiffs nicht annähernd ankommt. Aber wer nicht jedes Mal zwei Stunden Zugfahrt einplanen, einfach mit Freunden Strand-Bier-Spaziergänge, Musik und bunte Getränke genießen will, wird hier sehr schnell glücklich.

Außerdem, *räusper* ist viel zu wenig Zeit für rauschende Nächte, bis Januar drängeln neun (in Zahlen: 9!!) knatschige Deadlines… aber more on that later.

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