Play with Fire. // Electric Feel.

Ihr kennt diese Tage. Diese Abende nach langen Stunden in der Bibliothek, nach einem Risk Reporting Seminar, nach endlosen Facebook-Diskussionen mit den Mitbewohnerinnen, von denen eine versucht hat, die Toilette mit Ofenreiniger zu putzen und Ergebnis als  „disgusting and disturbing“ beschreibt.  Solche Abende halt.

Man liegt müde auf dem Bett, netflixt vor sich hin (und omg, die vierte Staffel House of Cards!!), der Laptop hat noch 12%. Nebel zieht von der Küste her durch die engen Straßen und der Tee dampft neben dem Bett.

Bis es kurz knallt, alle Lichter ausgehen und die Feuersirene losgeht.

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Ihr seid euch relativ sicher, dass Zombies angegriffen haben oder aber dass die Mitbewohnerin, aka Jeanne d’Arc der Küchenrollen, jetzt versucht hat mit dem Staubsauger die Waschmaschine zu putzen und dass deshalb die Sicherung rausgeflogen ist.

Also in kompletter Schwärze die engen Treppen runterschwanken und sich fragen, wie lange der Akku des Laptops noch hält und ob man die Konferenz in Brandenburg noch zu Ende gucken kann. Im schulterbreiten Flur drücken sich drei aufgekratzte Chinesinnen herum, während eine französische Schnepfe auf einem Stuhl herumturnt und wahllos Sicherungen aus dem Kasten schraubt und wieder rein dreht.

Währenddessen grölt immer noch die Alarmanlage, die definitiv im Alleingang dafür sorgt, nicht nur über Feuer zu informieren, sondern auch das Haus zu evakuieren. Sie ist nämlich unerträglich laut. Die Bejing-Girls kreischen haltlos durcheinander und drücken auf dem Zahlencode-Feld der Anlage herum, zwischendrin googlet eine der drei „Fire England“ und versucht  die Telefonnumer der Feuerwehr einzutippen.

Da es ganz offensichtlich nicht brennt, aber unerträglich laut ist, wollt ihr einfach nur 30 Sekunden durchatmen und im Licht der Straßenlaternen überlegen was los ist. Also steht ihr in Hausschuhen auf der Vortreppe und denkt: „Mann, sind Mond und Sterne heute hell“. Und dann: „Oh.“

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Die ganze Straße ist dunkel. Eigentlich ist die ganze Stadt, zumindest der von der Vortreppe aus einsehbare Teil, komplett schwarz. Nur die Uni leuchtet hell, weil sie entweder kluge Ingenieurstudierende hat oder ein Notstromaggregat oder einen anderen Energieschaltkreis – keine Ahnung, denkt ihr, und „Verdammte….****-Alarmanlage, halt die Schnauze“.

Umkreist von immer noch wild kreischenden Mitbewohnerinnen lest ihr die Anleitung im Licht feierlich entzündeter iPhone-Taschenlampen, während Jeanne d’Arc weiterhin keift, dass das doch nicht sein könne, wo sie doch alle Sicherungen säuberlich an- und ausgeschaltet hat. Und eigentlich wollt ihr nur zusammenhanglos schreien, dass die nächste Sicherung die rausfliegt, sie sein wird.

Über das unerträgliche Schrillen hinweg wird klar, dass sich an dem Lärmpegel nichts ändern wird, bis der Strom wieder da ist.

Das Notfallsystem hat nämlich ein Batterie betriebenes Notfallsystem, um auch im Falle eine Stromausfalls über Feuer zu informieren. Oder eben über die Tatsache, dass es einen Stromausfall gibt.

Also sagt ihr, am Rande eines Migräneschocks besonders laut, autoritär und böse, dass ihr euch diesen Geräuschterror nicht geben könnt und jetzt auf den Campus lauft, um in der Uni-Bar ein Bier zu trinken. Schminkt euch im vorteilhaften Taschenlampen-Licht und sammelt die verschämt kichernden Mitbewohnerinnen ein. Keine von ihnen war jemals in der Uni-Bar. Oder in irgendeinem Art von Lokal, das Alkohol ausschenkt. Die Französin verbringt die Zeit damit, in ihr Handy zu schreien und ihrem Boyfriend zu erklären, wie unerträglich alles ist. Sie weiß nicht, dass ich einigermaßen passabel französisch spreche, was mir einen relativ guten Einblick in ihr Weltbild verschafft.

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Dieser Wanderzirkus bewegt sich also ins JCs, wo wir dann, zur allgemeinen Aufregung, tatsächlich Cider trinken und uns eine Pizza teilen. Irgendwann auflockern, lachen und über House of Cards reden. Das ManU-Spiel gucken und über Zukunftspläne sprechen.

Nach zweistündigem Exil wandern wir durch den Park zurück, wild hin und her überlegend, ob wir unserem 10.000 km entfernten Vermieter wohl Hotelzimmer in Rechnung stellen können, wenn sich die Situation nicht nennenswert verbessert.

Währenddessen legt ihr den Kopf in den Nacken und denkt: “Mann, ist das hier ein schöner Nachthimmel.“ – Einer dieser Abende halt.

 

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