Alles explodiert, eine Welt aus Papier. // Reporting Risks.

Nach der spannenden Nacht ohne Strom in der letzten Woche – jetzt der zweite Teil der heroischen Serie: Live aus Swansea! Der Chemieunfall, die Explosion und ich.

Essener Studenten sind ja gewöhnt, regelmäßig von irgendwo nach irgendwo evakuiert zu werden, weil hochgefährliche Bomben aus vergangenen Epochen gefunden werden. Swansea war zwar auch Bergbaugebiet, aber wohl immer irrelevant genug, um nicht in Beschuss genommen zu werden. Außerdem boten Meer und Hügel genügend Schutz und wurden seit dem ersten Weltkrieg weitestgehend ignoriert.

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Jedenfalls, egal, viel spannender: wir wurden evakuiert! Also, nicht wir, Natasha und ich saßen in der Bib und lasen in den Facebooktimelines von 100m entfernten Kommilitonen, dass der nördliche Teil des Campus’ evakuiert wird.

In einem der Laborgebäude waren Chemikalien gefunden worden, die bei Kontakt mit irgendetwas (Wasser / Luft / Feuer…?) Feuer fangen können.

Die Feuerwehr kam, zusammen mit einer Organisation namens Royal Bomb Safety Corps, was ziemlich fancy klingt.

Da zeigen sich die Schattenseiten eines vollkommen zentralisierten Unilebens: Im betroffenen Radius lagen drei Studentenwohnheime, die Mensa und der Supermarkt. Einige verbrachten also einen etwas ausgehungerten Tag, während Andere beim verkaterten Bingewatching gestört wurden, im Schlafanzug auf den Treppen saßen und Pizza bestellten.

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Nach und nach trudelten E-Mails rein, über jeden möglichen Verteiler schickte das Gebäudemanagement unzusammenhängende Listen der betroffenen Räume und benutzten Chemikalien. Leider nur auf Englisch, und wer diesem Blog folgt, der weiß, dass hier alles zweisprachig zur Verfügung stehen muss. Weshalb die Mails immer mit einem TERRIBLY SORRY WE DON’T HAVE A TRANSLATION YET endeten. Bestimmt total hilfreich für die eine Person, die wirklich nur Walisisch spricht. Jedenfalls gingen wir zurück an die Arbeit, als es uns langweilig wurde, Freshers im Schlafanzug anzugucken.

Das funktionierte auch relativ gut, bis… BOOM.

Eine Detonation ließ die Fensterscheiben wackeln und es herrscht eine etwas unangenehme Stille, wie meistens nach Explosionen während Chemieunfällen. Es war eine geplante Sprengung von was immer im Chemielabor gefunden wurde. Wäre halt nett gewesen, das vorher anzukündigen, aber hey, wenigstens die Umstehenden wussten Bescheid.

 

Das alles wäre wahrscheinlich lustiger gewesen, wenn ich nicht vier Stunden vorher in meinem Kurs zum Thema „Risk Reporting“ Strategien gelernt hätte, als Auslandskorrespondentin bei Feuergefechten und Explosionen zu überleben. So fühlte es sich ein bisschen nach einem Learning by doing-Assessment an. Und es gibt Dinge, die will man nicht doing learnen, weil man eigentlich gar nicht will, dass man sie eines Tages doing können muss.

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