I have a soft spot for your ancient books. // Kyknos.

Seltsame Fähigkeiten, die ich in dreiundzwanzigdreiviertel Jahren zusammengesammelt habe: Breakfast Club Zeile für Zeile mitsprechen – Curry kochen – Altgriechisch lesen.

Letzteres hat sich zwar als intellektuell bereichernd, aber selten praktisch nützlich erwiesen. Bis jetzt – bis Swansea auch diese letzte meiner Absonderlichkeiten zu Tage gefördert hat.

Jeden zweiten Mittwoch trifft sich, der Parallele unbewusst, aber in konstitutioneller Nähe zum Literaturwissenschaftlichen Kolloquium der Uni DUE, eine Gruppe alter Griechen. Im übertragenen Sinn. Es ist nur eine Griechin anwesend und die ist sehr jung und immer sehr schlecht gelaunt.  Der Rest der Kyknos-Lesegruppe sind Antike & Altertumsstudenten, einige Doktoranden, drei Dozenten und zwei pensionierte Professoren. Achso, und ich, seit Mitte Oktober. Ich genieße bei diesen verschworenen Treffen weintrinkender Freaks einen Sonderstatus, weil ich nichts annähernd poetisches studiere – mein Studiengang wurde staubtrocken als „…funny.“ bezeichnet

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Derzeit stehen Alciphrons Kurtesanenbriefe auf dem Programm: Fiktiv historisierende Einblicke in den angeblichen Alltag verruchter Athenerinnen.

Beim letzten Treffen vertieften wir uns in den Briefwechsel zweier Freundinnen, die Alciphron in einer Art amourösen Wettkampf der Eitelkeiten die Ausmaße ihrer Hintern vergleichen ließ. Die trockenen Kommentare gelehrter Briten zu schmutzigen altgriechischen Witzen sind eines meiner akademischen Wochenhighlights. Zwei Stunden lang gemeinschaftlich lesen, analysieren und intertextuell heruminterpretieren ist ein fast genauso großer Spaß.

Alle zwei Wochen kribbelt es also in meiner linken Hemispähre, wenn dieser Teil des Sprachlernzentrums aus einem dämmrigen Winterschlaf wachgerüttelt wird. Ich habe bis auf άνθρωπος (Mensch) gefühlt jede einzige Vokabel wieder vergessen, die ich mir mühsam in meinen adoleszenten Kopf gepaukt habe. Ich wäre also sehr dankbar, wenn mich niemand aufforderte, ein Verb zu konjugieren.

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Und trotzdem kann ich mit einem Blick und etwas Stirnrunzeln zumeist Subjekt und Prädikat erkennen, Wörtchen wie „und“, „aber“, „sagte“, „ich“…. vollkommen ungeplant übersetzen und mir manchmal ganze Satzstücke zusammenreimen.

 

 

Wäre unser Gehirn wie Google strukturiert, ich würde Altgriechisch raten, in SEO zu investieren. Und feststellen, dass das alte, nostalgisch angehauchte Sprichwort vom niemals vergessenden Internet eben doch stimmt.

Das gibt mir ein kleines bisschen Hoffnung, in zehn Jahren zumindest noch einen laktosenfreien Café au Lait in Paris bestellen zu können. Mit viel Handgefuchtel und einer lebensnahen Imitation einer Kuh. Genau dafür hat man den Bachelor ja letztendlich.

 

 

 

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