On the Road. // Darcy’s Letter.

Zimt-Cider, Toffee-Vodka, Karamellwaffeln. Bath ist zuckersüß. Die römischste aller britischen Kleinstädte hat Natasha und mich auf ihren Weihnachtsmarkt gelockt.

Auf der 25 things To-Do Liste stand zwar die Speke Hall in Liverpool, aber dafür hätte wir zwei Tage gebraucht und ein quintessentielles Seminar ausfallen lassen müssen. Also suchten wir eine festliche Altstadt im 200km Umkreis, wurden im Meer nicht fündig und fuhren stattdessen über die Severn-Bridge schnell nach England, wir Jetsetter.

img_1161Vor Bath standen wir jedoch über eine halbe Stunde lang im Stau, so zähflüssig bewegten sich Reisebusse voller Touristen und Weihnachts-Shopper aus der umliegenden Gegend durch die Yorkshire-Hügel ins Städtchen. Das allerdings war schon aus dem Autofenster prächtig genug.

Ein sandsteinfarbenes Edinburgh, ein niedliches London… viel britisches Flair hinter roten Türen, das mit dem Überschwang römischer Pracht im Stadtinneren konkurriert.

Die ollen Römer hatten hier einen Thermalkurort errichtet und die witzigen Engländer haben eine riesige gotische Kathedrale direkt daneben gebaut. Und im Dezember drängen sich tausende durch die engen Gassen, um an all den kleinen historischen Weihnachtsmarktständen Nippesgeschenke zu kaufen. Der Architekturclash macht vor allem Spaß, wenn jemand einen deutschen Weihnachtsmarktstand davor baut – oder so ähnlich:

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Um jede Ecke huschen Erinnerungen an Jane Austen, deren Werke, wenn von der BBC verfilmt, allesamt in Bath gedreht werden. Zwischen Klaustrophobie und Spaziergang im gequetschen Schneckentempo muss man also auch noch immer die Augen nach Mr. Darcy offenhalten.

Nachmittags, als die Menschenmenge nicht nur füllig, sondern auch angetrunken wurde, flüchteten wir uns ins Museum, das im alten römischen Thermentempel versteckt wartet. Minerva Fresken und Videoinstallationen antiken Lebens füllten die uralten Gemäuer und widersprachen so wunderschön überhaupt dem Blick auf die Abbey und der weihnachtsshoppenden Menschenmenge. Seit tausenden von Jahren sprudelt aus einer kilometertiefen Quelle 46° warmes Wasser an die Oberfläche – und die cleveren Römer kurierten in seinem Dampf den englischen Schnupfen aus. Das Wasser soll zwar heilsam sein und wird stolz am Ende der Tour zur Kostprobe angeboten – schmeckt aber wie lauwarmer Kompost. Empfehlungssternchen für Bath’er Glühwein: Fünf! Empfehlungssternchen für Bath’er Heilwasser: ein Eckchen eines Sternchens, für den Lokalkolorit-Gag.

Letztes Jahr schlenderte ich zu Weihnachten über den Kopenhagener Tivoli – dieser Flitterschimmerglitzer-Overkill bleibt unerreicht. Aber der Markt in Bath verbindet Hogsmeade mit der schrulligen Architektur des Brettspiels Carcassonne und serviert zauberhafte Zuckrigkeiten – mehr kann man sich an einem bitterkalten Adventswochenende nicht wünschen!

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