They own the factory but we are on strike. // London Heart.

 Wie der Guardian und 8 Millionen genervte Londonder gestern berichteten, streikte die Tube am Sonntag und Monatg die Stadt in die Knie. Ich habe starke SPD-Gene und bin Tochter der Geburtstadt Friedrich Engels…
…aber irgendwann war es genug.

Irgendwann stand ich 4,5 Stunden nach Feierabend mit Tränen in den Augen an einem geschlossenen Bahnsteig in Clapham Junction – was immer noch 12 Meilen und knapp eine Autostunde von meinem kuschelig warmen AirBnB-Zimmer entfernt war. Ich hatte bis dahin jeweils eine Dreiviertelstunde in drei verschiedenen Bussen im Stau verbracht. Nach einer halben Stunde vollkommen durchgefrorenen Wartens an Knightsbridge folgte die Ankündigung, dass keinerlei Tube-Stationen in der Innenstadt im Laufe des Abends wieder öffnen würden. Sehr verloren bin ich daraufhin durch Harrods gelaufen, um mich davon abzulenken, dass ich keine Ahnung hatte, wie ich nach Hause kommen sollte. Schliesslich also Clapham. Ein Bus hatte vor der Tür gehalten und tatsächlich bot sich noch Platz für jemand sehr gelenkigen, der sich auf die Treppe quetschen konnte. Und ich wusste, dass von dieser Schalt- und Waltstelle auch Züge fahren und mindestens einer in meine Richtung…. oder halt nicht „wegen des Streiks schliessen alle Bahnhöfe heute schon um sieben“… las sich ein zynisches Schild. Meine London-Connections haben kein Auto und wenn doch waren sie und ihre Autos den Abend über anderweitig unterwegs.

Und dann traf ich Karl.

Karl, den jamaikanischen Taxifahrer mit deutschen Großeltern, der mich während der Fahrt mit seinem Sohn verkuppeln wollte. Der mir von einer unfreundlichen Keira Knightley erzählte und erörterte warum Bastain Schweinsteiger Kanzler werden sollte („Der gibt nicht einfach so auf!“). Und der, obwohl ich nur die halbe Strecke bis nach Greenwich angefragt und bezahlt hatte, mich trotzdem bis vor die Haustür fuhr („We’re family, Emily-love.“) Karl tat mehr für mein Bild von London als London an diesem eisigen Streiktag selbst. Karl mit seinem radebrechenden Deutsch und seinen Flüchen ueber Boris Johnson ließ mich sogar die streikenden Fieslinge der Metro vergessen.

Also, anti, anti, avanti, alerta. 
 Aus grosser Solidarität streike ich jetzt übrigens auch. 
Meine Kamera streikt (nicht wirklich, ich finde nur den Kartenleser nicht) – Bilder gibt es nur aus fremden Linsen. Das ist aber ohnehin viel interessanter.

Die Geschichten streiken.  Ich koennte jetzt von der neuen Kollegin erzählen, die reizend und begabt und pfiffig ist – aber deren Stimme klingt als würde sie für eine Sexhotline arbeiten. Von meinem Spaziergang durch Blackheath, dem Viertel am Speckgürtel Greenwichs, das aussieht wie eine Weihnachtskarte. Von meinem Southbankspaziergang und dem ersten (oder letzten?) Glühwein der Weihnachtssaison. Meinem Assignmentmarathon am Samstag, als ich zwischen Bergen von Papier auf dem Bett gekuschelt dem Regen zuhörte und Seite um Seite herunter schrieb. Von den weltbesten Fish&Chips und dem Moment, in dem meine Lieblingslondonerin und ich zusammen Sherlock geguckt und vor Rührung geschluchzt haben. Und vom kommenden Sofar-Konzert erzähle ich auch nichts. Ha!

Das Theater streikt sogar so sehr, dass ich erst nächste Woche hingehe. Zappenduster wird es hier.
Ich fordere irgendwas mit mehr netto vom brutto und Cocktails am Arbeitsplatz. Vor allem aber fordere ich Kapitulation.:

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