Everything is different the second time around.

Die erste von elf Semesterwochen in Swansea ist vorbei – feat. einen so heftigen Regenguss, dass unser Dach beinahe nachgegeben hätte; eine selbstproduzierte 3-minütige Dokumentation über die Campus-Cafeterien und eine Einführung in Aristoteles’ Rhetorik.

Es ist Februar geworden, auch in Wales. Die Uni und ihr Masterprogramm haben mich so fest in den Krallen, dass ich es weder zum Meer noch zum Einkaufen schaffe. Ich schlafe zuhause und lebe auf dem Campus. Aber, es ist immer noch der Singleton Parc Campus in Swansea, ich habe meine liebsten Waliser wieder um mich herum und versuche mit carpe-das-Auslandsstudium-Mentalität jedem Tag ein bisschen Studentenfreude abzugewinnen.

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Nach sechswöchiger Abstinenz erlebe ich plötzlich wieder die gleichen Phänomene, wie in meinen ersten Wochen in Wales.

  1. Ich sehe deutsche Menschen. Nicht Irgendwen auf dem Germanistik-Flur, sondern wahllose Bekannte der letzten Jahren, widergespiegelt auf den leeren Gesichtern müder Kommilitonen morgens auf dem Weg durch den Park. Gestern habe ich eine Doppelgängerin einer meiner Mentoring-Schüler getroffen, heute morgen einen der Helden der Essener Cafeteria. Bei der Vorbesprechung einer Kultur-Event-Reihe am Nachmittag kam der zuständige Prof in den Raum und ich war mir sicher, einem Linguistik-Doktoranden gegenüberzusitzen. Ist das noch Vermissen oder schon Delirium?
  2. All der Wahnsinn im Haus nimmt nicht nur neue Fahrt auf, sondern wiederholt sich wie Big Bang Theory-Folgen auf Pro7. Ja, liebe chinesische Mitbewohnerin, auch im neuen Jahr müssen wir Nebenkosten zahlen. Es sei denn, 2017 einigen wir uns auf einen kollektiven Internet- und Waser-Detox. Nein, liebe französische Mitbewohnerin, die Seife gehört nicht auf die Fensterbank. Nein, liebe Nachbarn, wir sind immer noch keine Hermes-Packstation.
  3. Die Unibibliothek hat die Ferien leider nicht genutzt, um geschwind ein neues Signatursystem zu erarbeiten. Wieder stehe ich mit einem Zettel in der Hand in den Katakomben, auf dem Nummer stehen wie: 6ZZ-1995-B1111. Und THO-Y-656. Oder einfach: Shu7. Neben mir ein Lageplan der Etage für Geisteswissenschaften, sortiert nach Planquadraten wie “Yellow” oder “32-F”. Wieder wandere ich durch Regale für Soziologie Südafrikas um ein Buch über Marketingstrategien zu finden. Am Ende werde ich Aristoteles schon ausfindig machen, wenn auch auf Walisisch.

Um dem Trubel der frühen Tage ein bisschen zu trotzdem, habe ich eine To-Do-Liste der schönen Dinge geschrieben, die ich nicht vergessen darf: Am Strand spazieren steht da zum Beispiel ganz oben. Mich für die abgefahrene Tatsache belohnen, dass ich das erste Semester mit Bestnote und Glitzersternchen eingepackt habe. Meinen Geburtstag planen und mein liebstes John Burnside-Gedicht spaßeshalber ins Deutsche übersetzen…

Elf Wochen scheinen plötzlich viel zu kurz, vor allem, wenn man sich mehrere Stunden täglich in den Kellerräumen der Bibliothek verläuft.

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