No sleep till Swansea. // Volcano Fridays.

Ein proust’scher Beitrag vom Bett aus: Hauptsächlich, weil mir um fünf Uhr aufstehen nicht bekommen ist. Eventuell weil aus dem Vorabend eine Vor-Mitternacht wurde und diese mit Sonnenstich und Gin am Strand endete. Nachdem ich um fünf Uhr müde in eine Strickjacke gewickelt zur BBC getappst bin, liege ich jetzt kontemplativ im Bett.

Moment, BBC? Das kam so:

Seit einigen Wochen laufe ich mit einem dicken Ordner unter dem Arm herum, der da Volcano Fridays heißt. Weil mir ein Masterstudium nicht genug Trubel bedeutete, bin ich ins Organisationsteam eines Literaturfestivals gestolpert: Ab heute Abend begrüßt Swansea zehn Wochen lang jeden Freitag insgesamt über 35 Autoren in 15 verschiedenen Sprachen. Lokale Schriftsteller treffen auf internationale Größen wie die geschätzte Marie Darrieussecq und Flüchtlinge, die über die letzten Monate an einem poetischen Sammelband gearbeitet haben. Am Ende zupfen walisische Hutzelmeister auf Gitarren traditionelle Folk-Musik.

Es wird smaahahashin, wie man hier sagt. Wer mehr lesen mag, hier entlang.

Jetzt bin ich weder Schriftstellerin noch walisische Hutzelgitarristin, aber was ich kann ist PR und Veranstaltungskommunikation – zumindest genug um heute morgen im “Good Morning Wales” BBC Programm ins Radio zu plappern. Während eine ewig 13-jährige Stimme in meinem Kopf noch kichert “Hihi, ich hab Sie im Radio gesehen”, war ein anderer Teil einfach mächtig stolz. Und reichlich müde. Nachzuhören gibt’s den Spaß hier, ab Minute 27. 

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Swansea ist seltsam, wenn man um halb sechs aus dem Haus geht. Die Rentner, die im Sonnenaufgang darauf warten, dass Läden öffnen. Die Schnapsleichen, die aus Sin City stolpern und mit glasigen Augen nicht verstehen, wann die Nacht aufgehört und der Morgen angefangen hat. Die Eltern mit den schreien Babys, denen die Uhrzeit schnuppe ist.

Der Adrenalinkick, der nach dem Interview einsetzte ließ mich erstmal todmüde auf das Studiosofa fallen und mit der Redaktionsassistentin über Tattoos schäkern. Nachher bezahlte mir die Uni in Gestalt ihres Pressesprechers noch ein großzügiges Frühstück, dankbar über die Gratiswerbung und wohl auch, weil man um 7:30 nicht viel anderes tun kann, als bei Costa zu sitzen, Soja-Milchkaffee zu trinken und Züge voller Pendler am Bahnhof ankommen zu sehen.

Radio würde ich gerne mehr machen. Radio würde ich so gerne machen, dass ich bereit wäre, regelmäßig morgens um fünf aufzustehen. Und Menschen, die mich um 8:54 für 9.00 Kurse haben aufstehen sehen, oder die ich um die Mittagszeit am Wochenende unter der Bettdecke heraus versuche vors Knie zu kicken, ahnen, was das bedeutet wenn es aus meinem Mund kommt. (Im Radio braucht man auch keine Kommasetzung, das wäre noch so ein Bonuspunkt).

12 Kommentare

  1. Ich lese jetzt auch schon eine Weile mit und bin auch ziemlich begeistert von deinem Schreibstil und von deinem Humor 🙂
    Radio ist genial! Mache im Moment mein FSJ Kultur bei einem Jugendradio und dann will ich auf jeden Fall in die Richtung gehen.
    Immer wieder ein kleiner Adrenalinkick und du und deine Crew ihr wachst einfach immer näher zusammen, vor allem wenn es live ist und du dich um alles kümmern musst.
    Liebe Grüße Itchy

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      • Immer doch, man spricht Komplimente viel zu selten aus!
        Bin schon länger auf der Presseschiene, aber dass es speziell Radio ist, hab ich mit jetzt erst bestätigt.
        Das ist das Medium, dass Liebe zu Kultur und Journalismus und ein großes Mundwerk perfekt verbindet.
        Außerdem ist es zeitlos und wird sicher auch noch lange lange bestehen. Vorteil beim Passivmedium, das geht immer!
        Bin morgen und übermorgen wieder auf einem Workshop in München und davon werde ich sicher noch einen Blogeintrag posten (inkl. dem Rahmen im FSJ)
        Liebste Grüße Itchy

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  2. Supi-dupi geschrieben und absolut nachvollziehbar… Auch das mit dem frühen Aufstehen kann ich nur zu gut verstehen! Wobei ich mich nicht erinnern kann, wann ich das letzte Mal nach 6 Uhr aufgestanden bin… Dafür sorgen schon die 3 Fellnasen, die eben jene in meine Bett stecken, sobald sich nur mein kleiner Zeh bewegt und ihr Futter einfordern! Aber wie heißt es so schön: Die ich rief die Geister… Vielleicht wird es Dir irgendwann ähnlich gehen, wenn Du Deine Ziele erricht hast, wofür ich Dir alle Daumen und natürlich auch die Zehen drücke! Alles Liebe, Nessy

    http://www.salutarystyle.com

    Gefällt 1 Person

  3. […] Speaking of which – jetzt ist es mein Job, die Lesungen besonders gut zu finden und zu promoten, aber würde ich einfach vor mich hin studieren, würde ich immer noch sagen, dass es das Allercoolste ist, das Swansea je gesehen hat. Mitten im Brexit-Wasteland eine mehrstündige Show in 15 verschiedenen Sprachen auf die Bühne zu stellen und inzwischen insgesamt knapp 400 Gäste zu haben, die allesamt zum familiären Lauschen und Diskutieren wiederkommen, ist schon eine besondere literarische Salon-Erfahrung.  […]

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