Where the trees grow. // On the road.

IMG_2204Ein Auto, zwei-Wahl-Waliserinnen, ein Haufen Sandwiches und ein Roadtrip: Seit unserer Carmathenshire-Tour (Teil 1 & 2)  und dem Zuckerwatte-Bath-Ausflug ist zu viel Zeit vergangen, beschloßen Natasha und ich. Einen drückend schwülen Donnerstag verbrachten wir also gestern im Margam County Park und in Cardiff, ein Ferientag voller Milchshakes und staunendem Schweigen.

Der altbewährte Plan: Wir finden einen interessanten Ort in einer schimmernden Broschüre (in diesem Fall den Landschaftspark rund um Margam Manor), fahren nach Navi-Anleitungen hin und touren danach nach Lust und Laune den brauen “Point of Interest”-Schildern folgend durch die umliegenden Dörfer – Oh, eine Burg, lass mal angucken. Schau mal, ein Küstenweg. Guck mal, eine Entenrennstrecke – unbedingt.

Gestern fuhren wir durch eine Nebelsuppe aus diesig warmer Luft, die uns im T-Shirt schlotternd nassgeschwitzt stehen ließ, sobald wir das Auto vor den Toren des Parks stehen gelassen hatten. Dort warteten: Ruinen, eine Hochzeitsfeier, eine kleine Kirche unter riesigen Bäumen, ein neogotisches Spukschloss und der gruseligste Spielplatz der Welt.

Nach dem wir einen biblischen Regenguss im Schutz der Bäume und Ruinen verbracht hatten, abwägend, ob wir uns in Uniklamotten und Wanderschuhen unauffällig zur Hochzeitsgesellschaft setzen könnten, wanderten wir durch tropisch feuchte Luft die Stufen zum Anwesen hoch.

Dieses steht seit den 50ern zum Verkauf, einer der Seitenflügel wird gelegentlich als Bildungszentrum genutzt – man stelle sich Klassenfahrten und Mottotage in dieser Kulisse vor! Wir wanderten jedenfalls durch gespenstisch verlassene Innenhöfe, an denen die Industrialisierung der Nachbarstädte vollkommen vorbeigezogen ist.

Einem dringlichen Hungergefühl folgend stiegen wir nach einer Weile ereignislosen Forschens wieder den Hügel hinunter und landeten auf einem Spielplatz namens Fairy Land, der vollkommen still da lag. Also, abgesehen von einer blechernen Frauenstimme, die aus Lautsprechern klang und alte britische Kinderlieder trällerte, in heavy rotation, in den schwülen Nachmittag hinein. In liebevoll eingerichteten Themenhäusern waren Märchen und Kindergeschichten ausgestellt, allerdings hinter Gittern, was die Klaustrophobie der winzigen Hütten noch verstärkte – irgendwann krabbelten wir auf allen Vieren durch die zweite Etage des Dornröschenschlosses und fragten uns, wie wahrscheinlich es sei, einfach eingeschlossen und für immer vergessen zu werden.

Immer noch hungrig setzten wir uns ins Auto und beschlossen, den Märchenwald gegen die Metropole Cardiff einzutauschen. Nach einer halben Stunde Fahrt über Hügel und durch winzige Vororte, standen wir an einer Ampel am Cardiffer Stadtschloss, und plötzlich waren wir unter Wasser. Zumindest das Auto. Zumindest sah es so aus. Es schüttete aus allen Walisischen Eimern, wären wir einfach über die Glanmorgan Klippen in den Atlantik gefahren, die Sicht hätte nicht schlechter sein können. Wir guckten uns an und beschlossen, dass Cardiff eine sehr schöne Stadt sei und wir nun wirklich genug davon gesehen hätten.

Fuhren zurück, bestellten bei unserem Lieblingsinder essen und gucken Twin Peaks, in Vorbereitung auf die neue Staffel. Damn good day.

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