Unter dem Milchwald // Dylan Thomas Day.

Heute ist Muttertag (blumige Grüße!), aber auch internationaler Dylan Thomas Tag. Ehrlicherweise wirkt jeder Tag in Swansea wie Dylan Thomas Tag – wohin man sich auch dreht, der traurige Walisische Autor sucht Touristen und Buchladenbesitzer gleichermaßen heim. Jedes zweite Haus trägt eine Plakette, auf der steht “Hier hätte Dylan Thomas einmal fast gewohnt, aber er konnte sich die Miete nicht leisten’.

Dylan Thomas (*1914 in Swansea -1953 in New York), war ein Vorzeige-Waliser: Betrunken, schwermütig, ein kreatives Genie – schrieb triste, lokalpatriotische Gedichte und führte mit seiner Frau Caitlin einen nie endenden Ehe-Krieg aus Verzweiflung und manischer Liebe. Zog von Swansea ins benachbarte Laugharne, durchs zerbombte London und schließlich auf eine tödliche Amerika-Tournee.

Angeblich inspirieren seine Texte schon John Lennon, spätestens aber Robert Zimmerman, als er auf der Suche einem Künstlernamen Bob Dylan wählte.

Schön und traurig sind seine Texte alle, und durch und von der rauen Küstenluft durchflutet:

… an ugly, lovely town … crawling, sprawling … by the side of a long and splendid curving shore. This sea-town was my world.

Why do men think you can pick love up and re-light it like a candle? Women know when love is over.

Time passes. Listen. Time passes. Come closer now. Only you can hear the houses sleeping in the streets in the slow deep salt and silent black, bandaged night.

Swansea strotzt vor Dylan-Memorabilia, wer will findet hier den Anzug, in dem er starb (besonders geschmackvoll, da der Grund wohl eine Alkoholvergiftung mit anschließendem im-Erbrochenen-Ersticken war), sein Geburtshaus und Kinderzimmer, die Radiostation, von der aus er seine Gedichte und Hörspiele sendete, seine Schreibkammer und seinen Lieblingsschnapsladen. Sogar das Titelbild des weltbekannten Talk Welsh to me-Blogs zeigt sein inszeniertes Arbeitszimmer…

Heute, 14.5., ist internationaler Dylan Thomas-Day, was all den Dylan-Thomas Museen, Zentren und Theatern in Wales die Chance gibt, einen coolen Hashtag bei Twitter zu benutzen.

Mir wiederum gibt es die Chance, eine Lesereihe mitzuorganisieren, bei der im Volcano Fridays-Style zehn bilinguale Swansea-Bewohner sein berühmtestes Gedicht Do not go gentle into that good night in ihrer jeweiligen Muttersprache vortragen. Das wird also mein Nachmittag, ganz in Erinnerung an Swansea-Prominenz Wein im Wohnzimmer eines toten Dichters trinken und schließlich auf deutsch Geh nicht gelassen in die gute Nacht vortragen. Aber was Interstellar kann…

8 Kommentare

  1. Dylon Thomas trifft wohl den Takt des Lebens in Wales . mit Sicherheit den in Sir Gaerfyrddin, wo das Leben seine eigene Geschwindigkeit hat … und seine eigene Philosophie:

    Clowns In the Moon (Dylan Thomas)

    My tears are like the quiet drift
    Of petals from some magic rose;
    And all my grief flows from the rift
    Of unremembered skies and snows.

    I think, that if I touched the earth,
    It would crumble;
    It is so sad and beautiful,
    So tremulously like a dream.

    Btw. Optimal für Ausflüge von Swansea: -> Brynamman: A 4069: Tor zu den Black Mountains

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