Tell me it’s real.

Part V: Chilenischer Wein, Jenga und Riesenspinnen. 

Dieser Post hat keinen nennenswerten Inhalt. Also, kein Narrativ, keine Agenda, keine neue Idee. Wo doch Peter Licht sagte:

Drum führ du mich in die Nacht

Führ mich raus

Gib mir eine neue Idee

Schaffen wir uns ab

Führ du mich in die Nacht

Führ mich raus

Gib mir eine neue Idee

Wir sitzen mit Wein auf dem Balkon und hören deutschen Indie-Kram. Wir sind jetzt ein wir. Ein “Wir-mögen-ja-lieber-den-chilenischen-Wein-für-5-Pfund-Danke”-Wir.

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Wir sind uncool und langweilig. Das Abenteuer des Wochenendes war eine Riesenspinne, ein walnussgroßes Ding mit streicholzdicken Beinen, die sich vom Balkon über uns herabseilte. Ich wurde still, zupfte Lieblingsboyfriend Simon am Ärmel und gestikulierte in Richtung der Bestie. Sie könnte uns ja hören. Mit der Begründung “Ich fass die doch nicht an” begann er, sie über die Brüstung zu pusten. Aber da sie aus Plutonium bestand, guckte sie ihn aus acht Augen nur giftig an und schon bekam er einen Asthmaanfall. Ich stupste sie mit dem Guardian Finanzteil höflich an und sie seilte sich weiter am Haus entlang, wenn sie oben ankommt, wird sie eine kreischende Frau in einer Tentakel halten und Kampfflieger werden um den zehnten Stock kreisen.

Wir puzzeln. Wir spielen betrunken Jenga. Wir pokern um unsere Kleingeld-Kasse. Letztens hatten wir Heimweh, also haben wir Kartoffeln mit Soja-Würstchen gekocht, Warsteiner getrunken und Tatort geguckt. Würden wir nicht in Manchester wohnen, wären wir das durchschnittlichste Mitt-Zwanziger Pärchen der Welt.

Wären wir nicht auf großem Abenteuer auf einer Insel voller Briten, Schafe und teuerer Spülmaschinentabs , es könnte glatt langweilig klingen. Aber es ist genug Schönes, Schreckliches, Zartbitteres in den letzten Wochen und Monaten passiert, da fühlen sich die paar Tage Ruhe und Routine im Touristen-Expat-Auswanderer-Limbo gerade an, wie ein einziger verknallter Pärchenurlaub. “Vielleicht lernen wir hier einfach niemanden kennen”, spekulierte er vor ein paar Tagen. “Ja, dann sind wir einfach auf einem nicht endenden Date” spann ich den Gedanken weiter.

Stattdessen erarbeiten wir uns Stück für Stück einen Alltag in der fremden Metropole, morgens von neun bis nachmittags zum frustrierten Laptop-Zuklappen wird an den Masterarbeiten geschrieben. Dann wandern wir herum, staunen, machen Fotos und suchen Deko und Pflanzen für die Wohnung. Kaufen das Nötigste ein, Kochen, Gucken Serien, Lesen, Schlafen ein, während draußen der Fluss plätschert.

Fünf Kapitel lang war diese Serie, vom nervösen Schlüsselrasseln am ersten Tag, zum routinierten Griff im Weinregal bei Sainsbury’s anderthalb Wochen später.

Jetzt wird es Zeit, den Blog ebenfalls nach Manchester umziehen zu lassen. In den nächsten Tagen könnten hier ein paar digitale Umzugskartons stehen, oder neue About-Texte warten. Donnerstag geht es ein vorletztes Mal nach Swansea – bis dahin, Cheers&Love!

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