No Guilt in Pleasure.

Talk Welsh auf Sommertournee.

Es ist Sommer in Leeds. Eine Gruppe von Altphilologen und Antikenforschern drückt sich um ein Buffet. Freundin Natasha probt auf dem Parkplatz ihren Vortrag über das Gilgamesh Epos. Die Sonne brennt auf schwitzende Autos und ich liege auf meiner weniger verbrannten Schulter auf einer Holzbank, höre ihr aus der Ferne zu und gucke auf den Flieger, der Richtung Manchester Airport immer tiefer sinkt.

12 Stunden früher saßen wir zu dritt in Natashas altem Peugeot, und brüllten MSMR, Florence and the Machine und Emmy the Great bei runtergekurbelten Fenstern, ja, so alt ist das Auto, über die leere Autobahn in den Midlands. Sterne über der Tankstelle, an der beraten, ob wir After Sun Lotion brachen. Warum, morgen wird es wieder heiß, der Rest Nivea im Kofferraum tuts auch.

Seit dem donnerstäglichen Employability Diner tun wir unser bestes, die letzten Tage als Studenten zu genießen.

Leeds ist im Norden. Swansea im Südwesten. Heute Nacht fahren wir weiter übers Land nach London. Ich habe mit kurzem Zwischenstop in Manchester jetzt noch den Rest der Nordachse mit dem Zug abgefahren, von Sowerby über Hebden Bridge ins hügelige Leeds hinein. Die Dritte im Bunde, Stella, punkige Ärztin und Natashas Kindheitsfreundin, holt mich vom Bahnhof und sagt, komm, wir laufen, sind nur 45 Minuten. Wir folgen der Innenstadt, der wohl durchschnittlichsten britischen Innenstadt der Welt, über den Campus, durch Studentenwohnblocks und Jazz-Cafés, die hervorragenden Eiskaffee machen. Durch eine Plantanen-Allee laufen wir an wuchtigen Wohnblöcken hoch, gelassen in der flirrenden Hitze schweigend, finden eine Kathedrale und eine Studentenresidenz, wo sich die Leeds Classics Postgraduate Conference versammelte, zu Tee und Mini-Croissants. Natasha ist ist als einzige registriert, Stella und ich klettern über die Hecke. Das Haus ist das schickste Wohnheim der Welt, voller Teppiche, alter Gruppenfotos, Bibliotheken und Balkons. Auf Zehenspitzen laufen wir durch die Gänge, lauschen in Vorträge über Drama und Tragödien hinein.

Downton Abbey meets Indie-Roadtrip. 

Draußen im Hof lese ich Hot Milk, Izzy, eine Cambridge Kunststudentin setzt sich neben mich und wir reden über Twin Peaks, bis es Zeit fürs nächste Panel ist. Ein winziger Mann bezieht jeden Vortrag auf Star Trek. Natasha kämpft mit dem Beamer und sich selbst tapfer durch ihre Präsentation. Danach gibt es Mittagessen, Fleischstücke, Käsestücke, Rote Beete-Stücke.

Später legen wir uns zu dritt ins Gras und schauen den Flugzeugen bei ihrem Weg über die Hügel zu.

Keiner von uns gehört hier hin, gerade gehören wir nirgendwo hin. Mein Handy ist aus. Nichts anderes passiert auf der Welt. Alterslos, planlos, zeitlos. Es ist brüllend warm, unsere Sonnenbrände knuspern. Später setzt sich unser Zirkus in Bewegung Richtung London, Musik, Welsh Cakes und das Gefühl der letzten Sommerferientage im Gepäck.

2 Kommentare

    • Vom Zugfenster aus war es wahnsinnig pittoresk. Dass die gute Sylvia da liegt wusste ich gar nicht – danke, vielleicht schaue ich noch mal vorbei. Ist ja nur eine halbe Stunde entfernt!

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