I want to see a whale and that race with all the bicycles in France. 

Au Revoir Swansea, for good. 

Ihr Lieben, ich habe einen Wal gesehen. Von der Liste der Dinge, die Kate Nash in ihrem Leben tun will, und die ich mir für den Titel geborgt habe, habe ich eins schon geschafft. Es war vielleicht ein eher kleiner Wal. Also ein sehr großer Fisch. Aber ich glaube, ein Wal ist dem Geruch von Joeys Eiscreme in die Swansea-Bucht gefolgt, hat sich umgesehen und ist davon geschwommen während ich am Strand saß, und mich bedankt habe. Bedankt bei diesem niedlichen kleinen Städtchen, für die fantastische Zeit, die ich die letzten Monate hier hatte.

 

Mein Telefon funktioniert nicht mehr. Die chinesischen Mitbewohnerinnen sind ausgezogen und haben das Internet gekündigt. Die letzten Tage in Swansea waren ein einziger medialer Blackout. Also sind Natasha und ich ein letztes Mal ins Auto gestiegen, um von der Unicafeteria aus die Gegend zu erkunden. Wir haben den botanischen Garten hinter dem Campus gefunden und die ekelhaftesten Sandwiches der Welt. Außerdem die Antwort auf die Frage, die Natasha herausfordernd stellte, als wir bei Flut vor den Klippen in Oxwich standen: “Come on, what’s the worst that could happen, getting stung by jelly fish?”

Vor neun Monaten sagte ich allen, es sei nur ein Jahr. Und dann ändert sich alles und man zieht früher und schneller um als gedacht – und wieder, weil man ja zu selten umgezogen ist.

Manchester also. Ein bisschen habe ich ja schon erzählt von der neuen Stadt und der neuen Wohnung. Aber jetzt erst habe ich meinen Großbritischen Roadtrip beendet und die letzten Sachen aus Swansea geholt. Ein letztes Mal Volcano Fridays gefeiert. Meine Dozenten umarmt und mit meinem Kurs ein letztes Mal in der Callaghan Cafeteria gebruncht. Von meinen Kommilitoninnen sind zwei frisch verlobt, eine zieht mit ihrem Meerschweinchen nach Bristol. Eine andere nach Cardiff. Eine geht nach Frankreich zurück, eine bleibt noch zwei Jahre um den Master in Teilzeit fertig zu machen. Eine arbeitet für den NHS. Einer für den National Trust.

Wir waren wie Strandgut und nach uns die Sintflut (Mikroboy)

Am ersten Tag saßen wir alle in einem kleinen Hörsaal, sagten artig unsere Namen auf und vergassen die aller anderen. Neben mir saß Charlotte, die zu ihrem Freund nach Reading ziehen wird. Auf der anderen Seite Ryan, der nur noch über die neuen Twin Peaks-Folgen sprechen kann. Keiner von uns wusste, was genau in dem einen Jahr Masterstudiengang so passieren würde. Wir wurden nach einer kurzen Einführung in Gruppen eingeteilt und erst einmal aufgefordert, eine Umfrage unter Studenten durchzuführen, eine Marktlücke im Catering zu finden und diese dann zu bewerben. Unser Konzept piq-niq (organische Vollkornsandwiches, frisch zubereitet) wurde irgendwie von Urban Eat geklaut, aber wir waren zufrieden. Dieses wir. Dieser WhatsApp-Gruppenchat eines Jahrgangs. Das nächste mal sehen wir uns in schwarzen Graduation-Roben und Hüten.

 

Swansea hat mich von ersten Tag an gepackt und geschluckt. Diese 70er Jahre-Blase am Meer, diese Bergbau-Stadt voller Studenten in zugigen kleinen Häusern, die sich den Hügel hochschlängeln. Als ich mir am ersten Abend Nudeln mit Champignons machen wollte, die Pfanne umdrehte und eine Nacktschnecke darin fand, das war wohl das Schaudrisgte, vor allem wegen der optischen Nähe von Pilz und Tier. Das war der einzige Tag, an dem ich dachte, dass ich das hier nicht schaffen würde. Dass ich verhungern würde, weil ich auswärts essen nicht bezahlen könnte und zu Hause kochen nicht über mich bringen würde.

Mein Alltag bestand aus Kursen, Essays und Spaziergängen am Strand in die Stadt hinein, zu Tesco’s, Gemüse, Reis, Sojamilch kaufen. Am Wochenende albern gesittet eskalierend mit Natasha das Swansea’er Nachtleben erkunden. Irgendwann kamen das Praktikum, die Jobsuche, Volcano Fridays. Und auch wenn es anstrengender wurde, dadurch wurde es noch viel mehr zu meinem eigenen kleinen Abenteuer. Swansea wurde zu einem Marathon in Willensstärke und Nachtschichten.

Zu packen fiel mir nie schwerer als letzte Nacht. Es würde beim besten Willen nicht Alles in den Koffer passen, also, was tun? Ich habe alle Klamotten weg geworfen, die ich seit der Schulzeit hatte (Fast, mein Beatstakes T-Shirt musste ich behalten, wegen der Fotoreihe, 2009 – 2016 – 2023…)

Sechs Jahre 2010-16

Schuhe, Shirts, BHs; Dinge, die ich zwar gut behandelt habe und die deshalb sechs bis sieben Jahre mit mir ausgehalten haben  – aber, denen man ihr Alter auch ansah. Swansea hat mir den allerschönsten Aufschub aufs Erwachsenwerden gegeben, als ich ihn am dringendsten gebraucht habe. Und gleichzeitig das allerbeste Fanal für die trotteligen, unentschlossenen, Pizzareste-zum-Frühstück-; lass-uns-von-den-Klippen-springen-weil-ja-nichts-schlimmeres-passieren-kann-Tage.

Natasha bringt mich zum Bahnhof, wir sitzen bei Costa, reden über Haarfarben und Festivalausrüstung, und sagen zeitgleich schniefend, dass wir das Allerbeste aus der Zeit gemacht haben und es für die beste aller Entscheidungen halten.

Am Ende bin ich nur dankbar, für Swansea. 

Für die Nachtschicht in der Bibliothek, die Küste, die Muscheln, die Hügel, die G&T-Nächte, die Silent Discos in Sin City, die Pommes-mit-Reis-ist-doch-vegetarisch-Tage in der Cafeteria, die Designkurse, die Ideen, die betrunkenen Taxifahrten, die Zeit, den Blog und alle seine Leser, die Süßkartoffelpommes bei Uplands Diner, Dylan Thomas, unsere Rundfahrten durch Wales, die 20er Jahre Silvesterparty, meinen Cocktail-Geburtstag, Volcano Fridays und das wunderschöne Eid Mubarak, das wir zusammen gefeiert haben, das ganze Arts&Humanities College, die Skype-Sessions nach Übersee, die Päckchen von Zuhause, die amerikanische Wahlnacht-Katastrophen-Party, die Roadtrip-Playlist, den Geruch nach toter Katze und Schimmel im Haus, die roten Haare, jedes meiner Gespräche mit Natasha, den guten Kaffee bei JCs, meinen Masterabschluss und den Wal.

Koffer und ich fahren mit dickem Kloß im Hals. Aber, mit den Worten der Mutter des zwanzigjährigen Geburtstagskindes der Woche:

“Swansea [Hogwarts] will always be there to welcome you home”

 

 

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