Everyone says „Hi“. // Das Netflix-Oblivion.

Heute geht es um dieses Gefühl, etwas total Offensichtliches, Alltägliches, seien wir mal ehrlich, Langweiliges, als völlig innovativ zu empfinden.

Ein bisschen, wie die Freundin, die in der Mensa ihren Pudding ausschleckt, innehält und sagt: “Manche Frauen verdienen im gleichen Job weniger als Männer, das ist doch eigentlich total ungerecht.” Oder die Bekanntschaften, die aus heiterem Himmel verkünden, dass sie seit neuestem keine Fertigprodukte, Laktose und Industrie-Metzegereiabfälle mehr essen und im Brustton der Verblüffung sagen “Mir gehts auf einmal viel besser”. Menschen, die ungefragt am Ärmel ziehen und flüstern: “Ich hab den ganz neuen heissen Scheiß entdeckt: so eine Internetseite, die heist Netflix”

Mangels eines besseren Begriffs, der dieses reflexive  “Wilkommen in der echten Welt, hinter dem Mond war das Wetter so schlecht”-Gefühl beschreibt, taufe ich es deshalb das Netflix-Oblivion. Außerdem ist die Seite gerade im zweiten Tab offen, das hilft nicht bei der abendlichen Kreativität.

Das Netflix-Oblivion also.

Am eigenen Leib habe ich diese Woche und sicherlich  als erster Mensch dieser Galaxie einige außergewöhnliche Lektionen gelernt und bin bereit, sie zu teilen:

  1. Arbeit macht müde.
  2. Früh aufstehen macht müde.
  3. Pendler im Zug stinken.
  4. Die erste Arbeitshandlung im Büro ist: Kaffee kochen, und einen Tee für meine Schreibtischnachbarin Lucy, weil Britannien und so.
  5. Nach der Arbeit ist man müde.
  6. Im ersten Job wird man nicht reich.
  7. Arbeitsemails mit Smileys drin nerven.
  8. Aber eine Arbeitsemailadresse zu haben ist mächtig cool.
  9. Alle Büros dieser Welt arbeiten mit dem gleichen komischen Serversystem und haben eine knatschige IT-Abteilung, die keine Lust hat, sich um komische Serverprobleme zu kuemmern.
  10. Erstes Gesprächsthema am morgen: aktuelle Serienentwicklungen.
  11. Aber da bin ich noch müde, Arbeit macht nämlich müde.
  12. Meetings mit anderen Departments sind oft ein Gladiatorenkampf der Eitelkeiten.
  13. In der Teekueche vor der Mikrowelle stehend wirkt der Sommer vor dem Fenster so viel verlockender als aus der Bibliothek heraus.
  14. Als Student*In geht man viel zu selten in die Sonne.
  15. Rentenversicherung ist doof.
  16. Aber wozu mache ich das den hier sonst?
  17. Zu merken, dass man gerade etwas anwendet, was man vor Monaten voller Freude gelernt, gibt die doppelte Menge Freude zurück.
  18. Überhaupt zu merken, dass man auf ganz kleiner Ebene hilft, Menschen mit Autismus, LearningDisabilities, Altenpflege und Mental Health Fragen zu unterstützen,  mit etwas, das man tatsächlich gerne macht – wie Filme produzieren, Newsletter schreiben und PR Kontakte pflegen, das ist vielleicht das Beste.
  19. Aber es macht auch müde. Zu müde für Sport, Spass, Kino, Bücher, Kochen, Blog, Freunde, Skypen, Spaziergänge, Konzerte, Clubs, Beziehungen & all der andere Quatsch, der den Tag würzt.
  20. Freitage sind pures Gold.

Schalten Sie Samstag wieder ein, für eine neue Folge das Netflix-Oblivion. Warum Sainsbury’s fertig geschälte, gewürfelte und kochfertige Süßkartoffeln Leben retten.

10 Kommentare

  1. zu Punkt 9: Ich bin nie knatschig und helfe gerne, wenn ich mal nicht knatschig bin, was den ersten Halbsatz negiert, und ich denke gerade, ob ich als IT Mensch in good old england weniger knatschig oder überhaupt nicht knatschig wäre … und überhaupt. Berufsleben düstert einfach alles und nach dem goldenen Freitag kommt schon wieder der „ich denke schon an Montag“ Sonntag. Trotzdem, Manchester England England …

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