Raus mit der schlechten Luft, rein mit der Guten. // Masterarbeit Finale.

Der Blog ist genau ein Jahr und zwei Tage alt, und ich habe seinen Geburtstag vergessen. Dafür liegen 100 Seiten Masterarbeit vor mir auf dem Tisch. Ich kann schon lange nicht mehr beurteilen, ob sie annähernd Sinn ergeben.

 

Vor einem Jahr saß ich mit halbgepacktem Koffer an unserem dunkelgrün lackierten Esstisch, dem mit den eingefrästen Schnittmustern von der Nähmaschine meiner Oma. Jetzt sitze ich wieder, immer noch, endlich wieder in Swansea.

Zwischen Natasha und mir stapeln sich bergeweise Bibliotheksbücher, an die wir uns bis zur letzten Minute der Rückgabefrist klammern. Draußen stürmt es, wir ernähren uns von Sandwiches aus dem Unisupermarkt, Weintrauben. Unter unserem Tisch steht ein geheimer Wasserkocher, mit dem wir Tee und Instantsuppen produzieren. Noch vier Tage bis zur Abgabefrist.

Für die letzten Tage vor der Abgabe, also diejenigen, an denen man haltlos auf die Wordformatierung einschreit, an der Bibliographie verzweifelt und zwischendrin einfach alles wegwerfen und neu anfangen will – weil, sogar alles was man in drei Tagen zusammenklappen kann, besser sein muss, als das was da seit Ostern gewachsen ist – diese letzten Tage habe ich mir freigenommen und bin wieder runter an die Küste gefahren.

Über Birmingham und Cardiff, bis runter in die Swansea-Bucht verbrachte ich meinen Samstag größtenteils eingerollt schlafend in National Express Bussen. Wäre Britannien nicht so schön, man müsste wirklich böse mit ihm sein.

Der Drang nach Prokrastination treibt lustige Blüten – unter anderem trieb er Natasha und mich zum alljährlichen BBC Last Night of the Proms Spektakel in den Singleton Park. Im strömenden Regen kuschelten wir uns mit ein paar hundert Walisern zusammen, schunkelten zu Evergreens und grölten Rule Britannia – wenn auch nicht so laut, wie die walisische Nationalhymne. Proms in the Park ist die inselweite Außenstelle des Klassikkonzertes in der Royal Albert Hall, bei dem immer wieder live zwischen den Standorten hin und her gestreamt wird – für eine fetzige 4 Minuten Übersicht – hier klicken. 

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Zwischen dünnplörrigem Kakaopulver-Heißwasser, Kälteschaudern und dem Harry Potter Thema hatten wir trotz allem nassgeregneten Spaß. Irgendjemand hat eine wacklige Kamera auf das Abschlussfeuerwerk gehalten, danke dafür:

 

Dinge, die ich nicht vergessen darf: Euch weiter von Green Man zu erzählen! Dem Blog zum Zweijährigen gratulieren, in 363 Tagen. Meine Bibliographie fertig zu bearbeiten. Einmal am Tag etwas Warmes essen. Einmal am Tag ans Meer gehen. Einmal am Tag denken: F***, war das hier eine wunderschöne, irre, abstruse Zeit.

Jetzt gehe ich zurück zur Fassung meiner Masterarbeit namens fastfertig.shit.3.doc

Inzwischen träume ich nachts von meinem Englisch LK und der Schulleiterin, die unangekündigt eine zweite Abiklausur für Freitag ansetzt. Freitag, sogar mein Unterbewusstsein denkt nur: Freitagfreitagfreitag.

 

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