4 Tage. // Come on back this way.

am

Zurück zu den zarten Anfängen: Wieder mal dient mir der Blog als Logbuch für eine Reise ans andere Ufer der Nordsee. Neben vieler surrealer Lebensträume habe ich mir zwei Dinge meine ganze Jugend über gewünscht, während ich mich mit Romanen aus aller Welt aus Wuppertal herausgelesen habe:

  • Im Ausland studieren und leben (Check!)
  • Eine Interrail-Tour machen

Zu Letzterem bin ich nie gekommen: Reiseunlustige Freunde, Geld&Ressourcen-Mangel oder schlicht „Ach, jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür“ haben mich immer wieder daran gehindert diesen letzten Punkt auf meiner adoleszenten Bucket List abzuhaken. Aber wenn der richtige Zeitpunkt nicht kommt, ist die Zeit irgendwann um und ich werde 26 ohne dieses Geschenk eines grenzenlos großen Europas genutzt zu haben. Und wer weiß, wie sich der EU-UK-Zugverkehr im Verlauf des Brexit-Desasters entwickelt?

Bevor mein neuer Job im Herbst anfängt habe ich jedenfalls noch ein letztes Mal lange Sommerferien. Ich habe Patti Smith gehört & gelesen, ich habe getanzt, Sushi gegessen, bin gewandert und den Rhein hoch und runter gefahren. Findet mich das Glück? war ein Leitmotiv der letzten Blogposts. Da es sich noch etwas schwer tut, gehe ich es jetzt eben suchen und verhindere en passant, dass ich für den Rest meines Lebens denke: „Hätte ich mal…“

In 4 Tagen erfülle ich mir dann diesen einen großen Wunsch, den ich so lange romantisch idealisiert habe, dass es nur ein Abenteuer werden kann. Mit einem Global Pass fahre ich erst durch Belgien, dann unter dem Meer hindurch nach England, die Ostküste hoch zu meiner liebsten ehemaligen Kommilitonin Natasha nach Lincoln. Von da aus wiederholen wir unseren Road Trip vom letzten Jahr zum Green Man Festival:

4 Tage Zauberwald, Cider & Folk-Bands in den walisischen Bergen: Headliner des Jahres sind The War on Drugs, John Grant, Grizzly Bear, Brian Jonestown Massacre, King Gizzard and the Lizard Wizard, Fleet Foxes, The Lemon Twins &  Joan As Policewoman… irgendwo im nirgendwo hinter Abergavenny im Naturschutzgebiet der atemberaubenden Brecon Beacons.

Dann geht es weiter in den Süden, auf ein Bier in Bristol, dann nach Cornwall – dann über London, unterm Meer hindurch weiter nach Frankreich…und zurück nach Hause.

Dieses Mal verzichte ich auf einen dicken Koffer, ein Rucksack muss für die zwei Wochen reichen. Viele haben mich gefragt, warum ich das Interrail-Ticket nicht für eine Reise in den aufregenden Osten nutze, von Wien bis nach Istanbul – oder dem guten Wetter hinter her nach Italien, wie wär’s?

Das Schöne daran, diese Interrail-Tour so spät vor der Altersgrenze zu machen, ist auch, dass ich schon eine ganze Menge von Europa anders bereist habe. Ich muss keinen Längenrekord aufstellen, ich bin schon mal 7000km durch den Kontinent gefahren, in einem alten Auto von Wuppertal nach Südfrankreich, nach Barcelona, durch Madrid nach Lissabon und dann immer an der Küste entlang zurück bis nach Hause. Keine Sekunde dieser Magical Mystery Tour  möchte ich missen. Aber dank ihr ich muss mir auch nicht mehr beweisen, dass ich absolute Geheimtipp-Backpaper Hotels in Estland gefunden habe.

Die ganze Wahrheit ist, dass ich schon eine Weile weiß, wo ich am Glücklichsten bin. Und mir meinen Kindheitswunsch zu erfüllen, während ich mit meinen Liebsten durch Großbritannien wandere, lockt mich mehr als Bikini-Wetter.

Findet mich das Glück? – habe ich mich die letzten Monate so verzweifelt gefragt. Die Chancen stehen doch besser, dass wir uns gegenseitig da wieder finden, wo ich am Glücklichsten war, sage ich mir. Wie soll mich das Glück finden, wenn ich selbst nicht weiß, wo ich bin?

„Glück,“ denke ich in einem ernsthaften inneren Monolog, „Glück, wenn du noch willst, dann treffen wir uns in einer Sommernacht im August in den Brecon Beacons, no questions asked.“ 

9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Anhora sagt:

    „Ein Mensch ist so glücklich, wie er es beschließt zu sein.“ (Abraham Lincoln)
    Das klingt nach Arbeit: Selbstverantwortung übernehmen, vergeben, vergessen, der ganze Kladderadatsch. Da denk ich manchmal: Lieber bleib ich unglücklich, phasenweise zumindest.
    Ich wünsch dir von Herzen, dass du eine Ausnahme bist, und das Glück findet dich. Einfach so. Kannst ja vorsichtshalber die Tür einen Spalt öffnen, damit es rein kann. Aber ich glaube das machst du schon. 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Emily J. sagt:

      Ohjah, ich weiß was du meinst! Was für eine nervige Erkenntnis, dass man sich um sein Glück dauernd kümmern muss, wie um ein Haustier, eine Pflanze & gesunde Ernährung…

      Aber ich danke dir ganz herzlich und ich werde das mit dem Türspalt im Kopf behalten!

      Gefällt 1 Person

  2. rejekblog sagt:

    Ich wünsche dir eine gute Reise und hoffe die Fahrt hilft gegen: Dass du in 90 Jahren nicht denkst „Hätte ich mal..“
    Und ich wünsche dir von ganzem Herzen: Glück. Da ich persönlich nichts von Sprüchen oder Zitaten halte, die meisten taugen nicht mal für einen Kühlschrankmagneten. Sag ich einfach mal: …
    Weiß nichts.
    Ich drück dich einfach. Ganz still.
    Herzliche Grüße aus´m Pott

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    1. Emily J. sagt:

      Merci, so sehr! Und eine Umarmung zurück in den Pott!

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  3. “no questions asked”, so schön geschrieben. Ich bin mir sicher, dass das Glück dich gar nicht erst verpassen kann!

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