„…straeon chwerthin a ffeithiau“ – das war… Walisisch.

Eine orangefarbene Maus mit klickernden Lidern ist schuld daran, dass ich am Sonntagvormittag am Allermeisten Lust habe, Neues zu lernen. Keiner Comicfigur fühle mich mehr verbunden als der stummen Heldin des Kinderprogramms und das nicht nur, weil wir beide am 7. März Geburtstag haben.

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Die ersten zehn Jahre meines Lebens wurde ich darauf konditioniert, mit meinem Bruder vor einem alten Röhrenfernseher zu liegen, Kekse zu essen und Karokaffee zu trinken, während mir die WDR-Redaktion der Sendung mit der Maus erklärt, wie Glocken und Flugzeuge gebaut werden und warum das Gleiche nie das Selbe ist: in einer Episode trugen die Moderatoren Christoph und Armin beide einen ikonischen grünen Pullover und sagten: „Wir tragen den gleichen Pulli“ – in der nächsten Einstellung versuchten sich die beiden älteren Herren mit viel Körpereinsatz in EINEN grünen Pulli zu quetschen und keuchten schließlich aus dem ausgeleierten Kragen heraus: „Wir tragen den selben Pulli.“ – Alles klar, für immer verstanden. Wenn heute jemand um mich herum  das Gleiche und das Selbe falsch verwendet, denke ich immer an die Sendung mit der Maus – und die Lach- und Sachgeschichten am Sonntagvormittag.

Deshalb ist das hier kein Buchclub-Post, sondern ein kleines Sammelalbum der Perlen, die ich diese Woche aus meiner persönlichen Medienflut herausgefischt habe – von der Weimarer Republik nach Kalifornien  – zum Anschauen, Nachhören und mit-den-Lidern-klackern.

  1. Babylon Berlin – Zu Asche, zu Staub 

Jajaja, ich weiß, einer großer Teil des 40 Millionen-Budgets muss dafür drauf gegangen sein, 40 Millionen Plakate auf jede freie Fläche deutscher Innenstädte zu tapezieren. Und die erste halbe Stunde fühlt sich an wie ein experimenteller Historien-Tatort. Aber wer sich die ersten zwei Folgen mit ein bisschen Geduld und Großzügigkeit anschaut, wird mit einem surrealen Spektakel belohnt, das mich ein kleines bisschen an Twin Peaks erinnert – von der brutalen Ästhetik bis in die zwischenmenschlichen Abgründe hinein. Und wer wirklich wirklich keine Zeit und keine Nerven zu verlieren hat, dem empfehle ich wenigstens diese 5 Minuten, die Soundtrack und die Atmosphäre der ersten Folgen eingefangen haben:

 

2. TED Talks Mash-Up: Don’t join the Beatles 

TED Talks sind so etwas wie Lach- und Sachgeschichten für Erwachsene: Redner aus allen akademischen und gesellschaftlichen Disziplinen stellen für 18 Minuten ihre Ideen und Erfindungen vor. Ausgehend von einer exklusiven Konferenz in Californien werden die besten Vorträge frei zugänglich mit der Welt geteilt. Letzten Sonntag habe ich schon von den narrativen Glanzleistungen in Chris Anderssons „The Official Guide to TED Talks“ geschwärmt. An dieser Stelle verlinke ich mal auf die drei Videos, die mich diese Woche in meiner Psychologie-faszinierten Filterblase am meisten berührt haben. Aber wer sich in diesem Mahlstrom vertieft, hört auch Monica Lewinisky über die Macht von Scham und Schuld reden, hört Stephen Hawking in 18 Minuten das Universum erklären und lernt, Untreue und Liebe zu verstehen.

 

3. Fritz Riemann – Die Grundformen der Angst

In meine Psychologie-faszinierte Filterblase gehört auch dieses Feature vom SWR: In einer halben Stunde bereiten die Autoren Riemanns Standardwerk liebevoll und verständlich auf. Mein eigenes Exemplar des Buchs steht voller Post-It’s und Markierungen im Regal, es ist einer der klügsten und humanistischen Texte, die ich je gelesen habe – klar verständlich, emphatisch, klug.

Ich habe das Buch schon so oft weiterempfohlen, dass es in Zirkeln durch mein soziales Umfeld getropft ist und mich letztens eine Bekannte ansprach und sagte: „Weißt du, was mir unsere-gemeinsame-Freundin-XY letztens geliehen hat? So was mit den 4 Grundängsten oder so; ganz toll, würde dich vielleicht auch interessieren…“ – mein Buchclub floriert. Allen, die mir in Zukunft antworten werden, dass sie ja keine Zeit für eine tiefenpsychologische Studie haben, blüht jetzt der Link zum SWR-Podcast:

„Warum brauchen manche Menschen viel Nähe und andere fühlen sich davon eingeengt? Warum fühlen sich manche Menschen nur wohl, wenn alles genau geregelt ist und anderen schnürt das die Luft ab? Genau das versuchte der Psychoanalytiker Fritz Riemann zu ergründen.“

4. In 80 Jahren um die Welt 

 

 

 

 

 

 

….und dann am Ende noch eine Notiz in persönlicher Sache: Wer bei Instagram den Reiseerinnerungen meiner Großtante folgen will, der sei hier herzlich eingeladen. Sie hat in ihrem Leben mehr Küstenorte, mehr Autobahneraststätten und mehr Menschen an skurril gedeckten Bonner-Republik-Sonntagstischen im Herbstlicht fotografiert als man sich vorstellen kann. Ich weiß nicht, wer in der Familie gerade das Archiv verwaltet und sich um die Seite kümmert, aber die Idee ist gut, und wie Welt vielleicht endlich bereit für die Diashow einer mutigen, schrulligen Frau,  die als erste Frau im Dorf einen Motorradführerschein machte und seit dem nie aufgehört hat, sich die Welt Stück für Stück selbst zu erobern.

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Anhora sagt:

    Ich schau mir niemals Serien an, brauch ich irgendwie nicht und zu Babylon Berlin kam es nur, weil die ersten Folgen zur Tatortzeit liefen. Schon war ich in die Falle getappt und muss jetzt den Rest angucken. Aber allein wegen „Zu Asche, zu Staub“ lohnt sich das, überhaupt wegen der ganzen Filmmusik! Ich hör die Soundtracks zurzeit ständig, meine persönlichen Perlen. 🙂
    Das Buch „Grundformen der Angst“ habe ich schon vor vielen Jahren gelesen, es ist spannend wie ein Thriller und eins der wenigen Bücher, das ich nicht weggegeben habe.

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    1. Emily J. sagt:

      Gute Wahl, wenn schon eine Serie, dann DIE!
      Ich versuche auch schrittchenweise meine WG vom gemeinschaftlichen Gucken zu überzeugen…

      Gute Idee, den Soundtrack einzeln zu hören und dann wie von Tom Tykwer gefilmt durch die Stadt zu gleiten 🙂

      Ich finde es auch immer merkwürdig zu sagen, dass es eins meiner Lieblingsbücher geworden ist, weil es nun wirklich keine Unterhaltungsliteratur ist. Hast du „Die Fähigkeit zu Lieben“ von ihm gelesen?

      Alles Liebe

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      1. Anhora sagt:

        „Die Fähigkeit zu Lieben“ kenn ich nicht. Lohnt sich das? Offenbar ja, sonst würdest du nicht fragen. Google ich gleich mal.
        Kennst du „Stilkunst“ von Ludwig Reiners? Nichts Psychologisches, sondern wie man gut schreiben kann. Noch ein Sachbuch, das ich verschlungen hab und meinen Schreibstil nachhaltig beinflusst hat. Aber das brauchst du eigentlich gar nicht mehr. 😉

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      2. Emily J. sagt:

        Ich gucke gern nach Reiner, auch wenn dein Kompliment natürlich wie Butter runtergeht 😉

        Falls du noch nicht zum Googeln gekommen bist – Die Fähigkeit zu Lieben ist ein anderer Riemann-Klassiker, in welchem er auch noch mal die 4 Ängste in Kurzform aufgreift. Ein sehr schön zu lesendes schmales Buch über Nähe und Wünsche und Vertrauen und hach, ich werde ganz sentimental… werde ich in der nächsten Hochzeit-Saison wohl ein paar mal verschenken!

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