I have this dream where I’m screaming under water.

Meine Mutter ist seit 5 Tagen tot. Sie war die Einzige, die eine Stimmfarbe anschlagen konnte, die mich in Aktion hat springen lassen. „Emma-a-a-a…“ hat sie immer gesagt, und mein Name wurde ein Imperativ; egal, was war, auf diesen Ton habe ich reagiert. Obwohl ich eigentlich Emily heiße. Egal, „Emma-a-a.“

Noch mit 25 hätte mich dieser Satzbau dazugebracht, Latein-Hausausaufgaben neu abzuschreiben, die Musik leiser zu drehen oder Milch zu kaufen.

Mama hat nie gesagt: „Du musst…“ – Mama hat gesagt: „Emma-a-a-a..“ und, oh boy, dein Wille geschehe.

Jetzt ist sie tot, ich weine viel, hauptsächlich beim Zähneputzen, beim Einkaufen, beim Blick auf alte Fotos.

Dafür denken jetzt alle Anderen, sie könnten mich mit einem saftigen Schwung Modalverben von der Trauer in den Alltag zurückholen.

Was man nicht allen tun, müssen, dürfen, können, sollen könnte. 

Du musst nicht Trauer tragen, das weißt du? 

Du musst was essen. 

Du musst was GESUNDES essen. 

Du musst nicht sofort wieder arbeiten. 

Du musst nicht die ganze Woche fehlen, ne.

Du musst nicht so traurige Musik hören. 

Du musst dich schon den Gefühlen stellen. 

Du musst die Trauer nicht verdrängen. 

Du musst dich ablenken. 

Du musst doch nicht so Bücher lesen wo es um Krebs und Tod geht, gibt auch noch andere Sachen. 

Du musst das Erbe nicht antreten.

Du musst das Erbe nicht ausschlagen. 

Du musst auch nicht immer nur von ihr reden. 

Du musst auch mal dein Handy ausmachen und einfach in Ruhe trauern.

Du musst dein Handy anlassen, weil sonst wissen wir ja nicht, dass es dir gut geht. 

Du musst zu dem Konzert gehen, DAS LEBEN GEHT JA WEITER. 

Du musst mir deine Adresse geben. 

Du musst das Radio leiser machen. 

Du musst mal wieder duschen. 

Du musst aber am Samstag zum Plätzchen Backen kommen. 

Du musst mal wieder an die frische Luft. 

Du musst noch die Unterlagen ans Standesamt schicken. 

Du musst noch denen Großcousine anrufen. 

Du musst auch mal auf dich achten. 

Du musst auch mal wieder die Familie in Sidney besuchen. 

Ich lache nur müde, nicke und lege auf.

Ich weiß, ihr meint es gut. Aber die Trauer übersetzt in meinem Kopf alles immer zu in ein graunebliges Chaos aus Wut und Enttäuschung und dem permanenten Gefühl, alleine zu sein.

Was fällt euch ein, will ich sagen.

Denkt nicht, ich würde euch ernst nehmen, wenn ihr ihren Ton nachahmt, nur weil ich zu müde bin, mich zu streiten.

Was bildet ihr euch ein, die Einzige, die mir sagen durfte, was ich zu müssen habe, ist tot.

 

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ed sagt:

    Helfen schlicht offene Arme und eine Schulter zum Anlehnen, ganz still?

    Gefällt mir

  2. Anhora sagt:

    Darf ich dir ein kleines Gedicht da lassen? (Statt „Gott“, wenn du damit nichts anfangen kannst, setz einfach „Universum“ oder sonst etwas ein). Mich hat der Gedanke an sich einmal sehr getröstet.

    Wenn etwas uns
    fortgenommen wird
    womit wir tief
    und wunderbar
    zusammenhängen
    so ist viel
    von uns selber
    mit fortgenommen.

    Gott aber will
    daß wir uns
    wiederfinden
    reicher um alles
    Verlorene
    und vermehrt um
    jenen
    unendlichen
    Schmerz.

    Rainer Maria Rilke

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  3. Rilke ist immer eine gute Idee, wie meine Vor-Kommentatorin wusste. Das du darüber schreiben kannst ist ein Geschenk. Sonst sage ich nix. Nur, du machst das gut, genau so.
    Alles Liebe.

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  4. suzy sagt:

    Ich glaube Du musst gar nichts 😦 Nur versuchen mit diesem unendlichen Schmerz irgendwie fertig zu werden, wenn irgend möglich. Und wie das machbar ist, kannst nur Du alleine wissen. Ich hoffe, Du findest einen Weg…… big hugs ❤

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    1. Emily J. sagt:

      Danke danke danke dir, es tut gut, dass ab und an zu hören! Ich umarme mal dick zurück!

      Gefällt 1 Person

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