Home Again. // Die Corona-Kapitel – Prolog.

6 Wochen Isolation für uns, anderthalb Jahre für den Blog. 

Warum? Erst gab es zu wenig zu erzählen. Und dann so viel – jetzt ist ein guter Moment, um das Popcorn in die Mikrowelle zu stellen.

Die Monate rund um November 2018 verschwimmen wie ein russischer schwarz-weiß Film. Aber irgendwann im letzten Frühling wechselte jemand zwischen Popcorn und roten Samtsitzen die Filmrolle und es begann eine Wes Anderson-bunte Collage zwischen London und Berlin. Dass es trotz allem immer noch Menschen da draußen gibt, die regelmäßig auf die Seite geklickt und gefragt haben, ob es mir gut geht, hat mich sehr gefreut. Und ja, mir geht es den Umständen entsprechend gut. Berlin atmet draußen Frühlingsluft, Staub und Gras aus und über allem schwebt die Sorge vor dem Virus. Aber wenn Alain de Botton schreibt, dass jetzt die Zeit ist, in der man im Kopf an all seine vergangenen Reisen nochmal unternehmen sollte, dann nehme ich ihn beim Wort. 

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Bin ich wirklich in den letzten drei Jahren sechs Mal umgezogen und habe zwei große und viele kleine Reisen erlebt, nur um jetzt rührselig die 32 Gigabyte Fotos auf der externen Festplatte zu streicheln? Und zu betteln, dass jemand die Grenzen wieder öffnet, damit ich sofort in einen Billigflieger springen um irgendwo Pastis am Strand trinken zu können? 

Oder reist man nicht in Wahrheit, um die Bilder an Tagen wie jetzt alle wieder hervor zu holen? Um an bessere Zeiten und reizende Menschen in aller Welt zurückzudenken? Habe ich im 20er-Jahre Flapperdress in einer Londoner Prohibitionsbar Charleston tanzen gelernt, um dafür 25 Instagram-Likes zu bekommen?  Oder um an Tagen wie heute das Kleid aus der Kiste zu holen und mich an den Geschmack von Gin und verrauchten Polstern zu erinnern?

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Und wenn ich schon dabei bin, all die alten Geschichten zu kuratieren, warum dann nicht auf hier im Blog wieder eintauchen?  

Heute vor einem Jahr bin ich auf den zweithöchsten Berg in England geklettert und habe über den Lake District geschaut, atem- und sprachlos über die glitzernde Mondlandschaft. Der schottische Tourguide Richie hat hier auch noch ein eigenes Kapitel verdient, aber wenn jemand die Zombie (oder Corona-) Apokalypse überlebt, dann sein Royal Airforce GPS Gerät und seine Haferkekse – und er, hoffentlich. 

Also, ab jetzt gibt es hier: 

Geschichten von drei großen Wanderungen in Großbritannien, zwei in der Vergangenheit, eine in der Zukunft. 

Eine, die davon handelt, wie ich versuchte nach Dublin zu fliegen um dort zwei Wochen lang die Welt zu vergessen – aber weil das Flugzeug defekt war, verbrachte ich eine Nacht in einem Frankfurter Luxushotel an Flughafen und traf dort einige ebenfalls gestrandete Iren, die mit mir an der Hotelbar den perfekten Roadtrip durch Irland mit Bus, Zug und Auto geplant haben. Eine über ein Londoner Yuppie Wohnheim und seine 400 Bewohner, sein geheimes Kino, die Kristallanhängerbastelabende und die legendären Friday Night Drinks-Freitage. Eine, wie ich in der letzten Stunde vor meinem 26. Geburtstag umsonst und ohne Schlange ins Louvre gekommen bin. Eine, wie ich in Soho den besten Halloumiwrap der Stadt fand und mir das Herz darüber brechen ließ. Eine über das neue Tattoo auf meinem Rücken. Eine, über den Podcast, der mir in den schwarz-weißen Monaten vielleicht nicht das Leben, aber den Verstand gerettet hat. Und eins, zwei, drei über Berlin – diese neu entdeckte Herzensstadt, die mich magischerweise im Sommer 2019 keine 500 Meter von der Kreuzung am Kleistpark ausgespuckt hat, an der ich zehn Jahre vorher ankam, als ich mit 16 das erste Mal alleine von Wuppertal aus in die wilde Hauptstadt gefahren bin. 

“Ihr Uhren tief in uns”

 …schreibt Ingeborg Bachmann an Paul Celan, als sie sich an ihr letztes Treffen erinnert, das auf den Tag genau im letzten Jahr stattgefunden hat – und wo, of all places? 

In Wuppertal. 

Willkommen zurück bei Talk Welsh, i’ve missed you

xoxo

9 Kommentare

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