Die letzten Tage der alten Welt.

Kapitel 2. Die Autos rasten um mich herum, Paris war winterlich warm, niemand hatte von den Gelbwesten-Protesten gehört. Der 6.11. ist 100 Jahre her. Die Stimme am Telefon war weich: „Ich will Ihnen die Chance geben sich zu verabschieden. Vielleicht nehmen Sie sich die nächsten Tage frei. Sie wird es nicht übers Wochenende schaffen.“ Ich…

Die letzten Tage der alten Welt.

Kapitel 1. Meine Mutter ist heute vor genau vier Wochen verstorben. Es war der 10.11., St. Martinstag. Es war ein regnerischer Morgen, genau wie heute. Ich saß in der Wohnküche der Palliativ-Station, vor mir eine Tasse Tee und ein Zwieback, den ich keines Blickes würdigte. Ich hatte die ganze Nacht gekotzt. Präzise seit 3.15 Uhr;…

Above the Clouds of Pompeii.

Meine Mutter ist seit 15 Tagen tot. Und ich stehe morgens im schwärzesten Business Dress, das mir einfällt, vor dem Spiegel und versuche, mein Gesicht in dieser müden, abgezehrten Fremden zu sehen. Im Zug denke ich, dass es all die Momente sind, auf denen einen weder Popkultur noch Disneyfilme oder andere Verlusterfahrungen vorbereiten können: lichtempfindlich,…

Thank you nothingness.

Meine Mutter ist seit 9 Tagen tot. Meine Mutter liebte Alanis Morissette, Kokosmakronen und lange Fahrradtouren. Seit neun Tagen schlafe ich nachts kaum, und wenn, dann voller Albträume, in denen ihr Gesicht über meinem schwebt, in denen sie unantastbar zwischen mir und der Welt steht, eine umhergeisternde, sterbenskranke Eurydike, die flüstert: „Wenn du aufwachst, bin…

I have this dream where I’m screaming under water.

Meine Mutter ist seit 5 Tagen tot. Sie war die Einzige, die eine Stimmfarbe anschlagen konnte, die mich in Aktion hat springen lassen. „Emma-a-a-a…“ hat sie immer gesagt, und mein Name wurde ein Imperativ; egal, was war, auf diesen Ton habe ich reagiert. Obwohl ich eigentlich Emily heiße. Egal, „Emma-a-a.“ Noch mit 25 hätte mich…

I will pour whisky on your grave.

Meine Mutter ist Samstagnacht verstorben. Ich versuche mich an die Welt ohne sie gewöhnen; aber es fühlt sich an, als müsste ich eine der vier Grundfarben vergessen. Oder das Eiswasser am Boden des Kühlschranks trinken. Ich starre auf ihren Namen in der Kurzwahlliste im Handy und will anrufen, drei, vier, fünf Mal am Tag. „Huhu,…

Am Ende des Krankenhausflures…

… steht immer eine Flasche Cola auf dem klappbaren Nachtisch. Auf dem Tisch ein Stapel Bücher: Mamas aktueller Historienkrimi, dick wie das alte Testament. Die 5 Einladungen, ein moderner Klassiker auf der Amazon Empfehlungs-Liste zum Thema Tod. Es riecht nach Calendula-Öl, Lavendel, nach dem Wassereis, das an ihrem Kinn klebt und das ein plötzlich überfreundlicher Pfleger nach dem Mittagessen…

„…straeon chwerthin a ffeithiau“ – das war… Walisisch.

Eine orangefarbene Maus mit klickernden Lidern ist schuld daran, dass ich am Sonntagvormittag am Allermeisten Lust habe, Neues zu lernen. Keiner Comicfigur fühle mich mehr verbunden als der stummen Heldin des Kinderprogramms und das nicht nur, weil wir beide am 7. März Geburtstag haben. Die ersten zehn Jahre meines Lebens wurde ich darauf konditioniert, mit…

Auf der Suche nach Dünger für eine unbekannte Pflanze. // October Song.

Ein kurzes Kapitel über unspezifische Prokrastination: Zwischen dem Essener Dom und dem Primark steht regelmäßig ein Blumenstand. Weil Stereotype so stark sind, dass ich sie manchmal gar nicht bemerke, dachte ich immer, es seien holländische Tulpen, die von netten Holländerinnen verkauft werden. Als ich am Montag vor dem Regal stand, auf dem sich Gummibäume stapelten…

Der Morgen danach. // The End of the Movie.

Das ist hier keine Medienkritik am frühen Abend – höchstens Selbstkritik kurz vor Mitternacht – aber sie beginnt mit einem Rückblick auf ein paar Minuten amerikanischen Fernsehens: Als sie zuerst rauskam, war ich großer Fan der Serie How I Met your Mother, ich habe frenetisch mitgefiebert und mir einzelne Folgen sogar bei iTunes gekauft…man stelle sich die süße…