Swansea.

Christan Krachts Faserland meets Deutschlandreise meets Zukunftskrise.

Swansea4

Eines Abends im März 2016 lag ich auf dem Bauch auf meinem Lamitatboden und starrte auf zwei A2-Papiere. Darauf eine Liste mit Masterstudiengängen, von Kulturästhetik in Frankfurt an der Oder bis hin zu Unternehmenskommunikation in Münster. Die Bewerbungsfrist vieler MA-Studiengänge endet im April und ich wollte einfach blind mit dem Finger die Tabelle entlang fahren und drei aussuchen, für die ich mich bewerbe. Es war die erste Entscheidung, die ich vollkommen autonom vom Wohnort und Wünschen anderer treffen konnte, und das Einzige, das mir einfiel, war den Zufall entscheiden zu lassen.

In der Tabelle gab es Anmerkungen, Punktsysteme, Fußnoten, manche sagten “Goethe-Institut” andere “GELD”. Ich wusste nichts. Wollte Journalistin werden, aber in Festanstellung und 9-5. Wollte Pressesprecherin werden, aber auf keinen Fall 9-5. Wollte Radiomoderatorin werden, aber ohne Volontariat. Wollte fürs Goethe-Institut deutsche Kulturbotschafterin werden, aber ohne Germanistik-Master. Wollte im Ruhrgebiet bleiben, aber für Verlage arbeiten. Wollte eine Dissertation in Französischer Literaturwissenschaft schreiben, aber ohne französische Grammatik auch nur noch einen Tag lang studieren zu müssen.

Ich wollte mich noch nicht zwischen PR und Journalismus entscheiden müssen. Ich wollte nicht noch zwei Jahre lang studieren, nachdem schon mein BA vier Jahre gedauert hatte. Ich wollte eine der Fremdsprachen, die ich beherrsche, sprechen können, welche war mir egal, im Notfall sogar Latein. Ich wollte ans Meer.

Swansea University war die einzige Uni, an der ich mich beworben habe.

 

Im September 2016 begann ich diesen Blog, unter dem ominösen Titel Talk Welsh to Me – Swansea ist eine kleine Küstenstadt in Wales, ein verrücktes Feriendorf, eine Industrieruine, ein einziger Campus. Swansea war für zwei viel zu kurze Semester Zuhause.

Mit allen verrückten Mitbewohnern, inkompetenten Dozenten, Lieblingskommilitoninnen, Gin-Nachmittagen am Strand, Weihnachtsdinnern, Abschlusspräsentationen, Essay-Fristen und Pancakes mit Süßkartoffelpommes in Uplands Diner nach durchgetanzten Nächten.

Ein paar meiner liebsten Geschichten habe ich hier verlinkt…irgendwann werde ich das alles noch mal lesen wollen und mich wundern, wie frei, intensiv und losgelöst man sich in so einem kleinen Küstenstädtchen fühlen kann.

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